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Full text of "Shakespeare sonnette, Umdichtung von Stefan George. [Publisher's device]"

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V v v : x 




QG&X 



SHAKESPEARE 
SONNETTE 

UMDICHOJNG VON 
SCEFAN GEORGE 




GEORE-BONDI 
BERLIN -1 909 



EINLEITUNG 

Von den grunden uueshalb ShaKespeares Sonnene 
bei uns noch uuenig geuuiirdigi uuurden- istabgesehn 
von der anforderung sehr hohenverse-versiandnisses 
der uoichiigsie innere: dass unsre geuuohnheii alle 
dichiung durchaus >romaniisch< siehi- diese vierzehn- 
zeiler aben obuuohl obersie dictating- durchaus >un- 
romanTisch< sind. Der dussere beiriffi den gegen- 
stand. Hier tuurdejahrhundertlangvon herausgebern 
und auslegern unfruchibar gesirinen- was spiel und 
was gefuhl sei- uuer der blonde jungling und uuer die 
schtuarze dame der lezien abxeilung: hier haben sie 
geraten- gerenKi und geirri bis zum volligen verhoren 
des seelen-iones. Nicht nur in der foripflanzungs- 
reihe [I-XWII] uuo freilich der geisi mehr verborgen 
liegx-neindurchgangigenidecKien die mehr siumpfen 
gehirne in aufirag gearbeiieie siilubungen- die mehr 
niedrigen ihren ganzen eignen eKel: Kaum einesaber 
erKannie den gehalt: die anbetung vor der schonheii 
und den gluhenden vereuuigungsdrang. Unsrer Tage 
haben sich menschen und dichier unverhohlen aus- 
gesprochen: im minelpunKie der sonnenenfolge sxeht 
in alien lagen und siufen die leidenschafiliche hin- 
gabe des dichiers an seinen freund. Dies hai man 
hinzunehmen auch uuo man nichi versiehi und es ist 
gleich xorichT mil xadeln tuie mix renungen zu beflecKen 
uoas einer der grossten Irdischen fur gui befand. Zu- 
mal versiofflichie und verhirnlichie zeiialier haben Kein 
recht an diesem punKT uuone zu machen da sie nichi 
einmal eTiuas ahnen K5nnen von der uuelTschaffenden 
Kraft der ubergeschlechilichen Liebe. 



WIDMUNGSZEILEN DBS ERSTEN HERAUSGEBERS THOMAS THORPE 
QUARTO 1609: 



DEM EINZIGEN ERZEUGER DIESER 

NflCHFOLGENDEN SONNECCE 

HERRN W H - flLLES GLOCK 

UNO - DIESE EWIGKEIC 

GELOBC 

WON 
UNSREM - IMMERLEBENDEN - DICHCER 

WONSCHC 

DER WOHLWONSCHENDE 

HERAUSGEBER INDEM ER 

SICH - UORWflGC. 



C. C. 



Won schSnsien wesen tuunschT man einen spross 
Dass dadurch nie der schonheii rose sxerbe: 
Und tuenn die reifere mil der zeii verschoss 
Ihr angederiKen irag ein zaner erbe. 

Doch der sein eignes helles auge Freii 
Du nfihrsi dein lichT mix eignen tuesens loh 
Machsi aus dem uberfluss die leure-zeii- 
Dir Feind und fur dein susses selbsi zu roh. 

Du fur die well jezi eine frische zier 
Und erst der herold vor des fruhlings reiz: 
In eigner Knospe grdbsT ein grab du dir 
Und- zaner neiden schleudersi weg im geiz. 

Gonn dich der well! Nichi wie ein schlemmer TU: 
ESST nicht der wek behor- das grab und du! 



Belagern vierzig winter deine braun- 
Ziehn grdben lief in deiner schonheii Flur: 
IST deiner jugend puiz- heuT ein gesiaun- 
Dann eine wenlos rissige hulle nur. 

Fragi wer nach deiner sch6nheken geschicK 
Und alien schdizen deiner rusiigen zeii: 
Dann zeigen eignen eingesunKnen blicK 
Wa> scham die frissi und lob das missgedeiht. 

Mehr lob erwurbe deiner sch5nheix huld 
KonntsT du ertoidern: >dies mein schones Kind 
ZahlT meine rechnung. IOST des alters schuld< 
Da seine reize dein durch erbrechT sind. 



Dies war ein neues tuirKen wenn du 

Du sflhesi warm dein bluT- Fuhli es sich KO!T. 



8 



HI 



Dein aniliiz dem im spiegel du begegnesi 
Uerlangi dass du ein neues bald gestaltesi- 
Die welt nichx Tduschsi und eine muner segnesi. 
Nun isi es zeii dass du ersatz erhaliesT. 

No isi die schone deren bracher schoss 

Uor deines anbaus furchenzug erschricKi? 

Wess Torige eigenliebe isi so gross 

Dass er - ein grab - die nachKommen ersTicia? 

Du bisT der muner spiegel und er sielli 
Ihr lieblichen april der jugend dar. 
So uuird durch aliers fensier einsi erhelli 
Dir TroTz der runzeln dies dein golden jahr. 

Doch lebsi du zum vergessentuerden hier: 
Siirb einzeln und dein bild ersiirbx mix dir. 



9 



IU 



Was zehrsi- verschwenderische lieblichKeii- 
Du Fur dich selber deiner schonheii pfand? 
Naiur machi nicht geschenKe sondern leihT 
Und sie die FranK IST leihT der freien hand. 

Weshalb du sch5ner geizhalsi nur missbrauchsi 
Die Fulle dir gegeben dass du gebesi! 
Weshalb du- ungelohnter tuuchren brauchsT 
So grosser summen summe- doch nichx lebesi! 

Da du verKehr hasi mix dir selber nur 
Und selbst dich urn dein susses selbsi betrugsT- 
Was stellii rufi dich von hinnen die naiun 
/11s rechnungsschluss sich dar dem du genugsT? 

Die sch6nheii ungenuzi gehi mil zu grab- 
GenuzT wird sie vollsTrecKer deiner hab. 



10 



Die stunden die miT holdem werK umziehn 
Liebliche schau drauf jedes auge ruhi 
Ernzieren was am zierlichsxen gediehn 
Und ireffen ganz das gleiche ding mix WUT. 

Den sommer xreibi die zeii die nimmer siehi 
Greulichem tuinxer zu und Tilgi ihn don: 
SaFi durr im frosi und iippig laub venuehi! 
Schonhek vereisx! Kahlheii an jedem on! 

Doch bliebe flussig nichi in giases hafi 

/lls geist zurucK des sommers filierung- 

So tudr mk schonheix auch der schonheii Krafi 

Geraubi - es schwdnde selbsi erinnerung. 

Doch geisT der blumen- ob auch wimer grusse- 
Enibehn nur form: es lebi die innre susse. 



11 



Ul 



Sei nichi durch winiers Knorrige hand verdorn 
Dein lenz eh deinen dufr ein filter fassi! 
Mach eine phiole suss! schmucK einen on 
Mil schmucK der schonheiT eh sie in sich blassi! 

Der nuiz !ST nichT verpbnT als wucherlich 

Der den beglucia der zahk fur williges lehn. 

Erzeuge fur dich selbsi ein andres ich - 

Und zehnmal mehr glucio sinds sian einem zehn! 

Du wdrsT zehnmal begluciaer als du bisi 
Wenn zehn von dir dich zehnmal dargesTelli. 
Was nimrm der Tod uoenn deine zeii um !ST 
Da er dich lebend lassi fur spdire well? 

Sei nicht selbsiwillig: du bisT viel zu hold 
Fur lodesbeuxe und der tuurmer sold. 



12 



Ull 



Schau in den osien uiie das gnddige lichi 
Sein brennend haupi erhebi: jed auge spdhi 
In ehrfurchi zu der neu erschienenen sichT- 
Diem mil dem blicK der heiiigen majesiai. 

Und tuenn es himmels sieilen berg erKlomm- 
Der jugend gleich in ihrer minekraff 
So sehn die menschen seine schbnheii Fromm 
Und warren seiner goldnen pilgerschafi. 

Doch rollx von hochsTer hoh mix mudem rad 
Wie schuuaches aker es vom Tage Fon- 
Nenden wir uns von seinem niedren pfad- 
vorher dienstbar schaun zu andrem on. 



So siirbsi du wenn dein minag dir eniflohn' 
Unangesehen - zeugsi du Keinen sohn. 



13 



Will 



Musk dem ohn was horsT du musk iraurig? 
Suss Kdmpfr mk suss nichii IUST isi froh mk lusi. 
Warum du liebsT was du empfdngsi als schaurig 
Und gern empfdngsi woran du leiden mussi! 

Schldgi wohlgesTimrmer Tone ireue einhek- 
UerKnupfi zum bunde- qudlend an dein ohr: 
Sie scheken sanfr dich der du in alleinheii 
Sie sTorsT weil deine sTimme fehlt im chor. 

MerK wie sich eine sake suss verbinde 
Der andren- auf sie ireff im wechselgang- 
BeglucKTen ekern gleichend mk dem Kinde 
Uersammek all zu Einem holden Klang. 

Worcloser sang- aus vielem scheinT nur einer. 
Er singT dir zu: >einzeln wirKst du als Keiner.< 



14 



IX 



Isi es die angsi um einer tuiitue noi 
Nenn einzeln du verzehresi deinen leib? 
flch dich tuird- uuenn du ohne nachwuchs TOT 
Die tueli betueinen uiie ein ehlos uieib. 

Die well isi deine uuiitue und sie tueini 
Dass nach dir Keine form mehr auf dich uueisii 
Nenn jeder einzlen uuiiiue auch erscheini 
Durch Kinder-aug des gaiten form im geisi. 

Sieh uuelche summ ein TaugnichTs auch verschtuende - 
Sie lauschi den plcrcz nur: sieis der wen: gehon sie. 
Doch hai der schonheii nuizung hier ein ende: 
Der braucher der sie Falsch gebrauchi zersion sie. 

Dess brusx nichi liebe fur die andren nahri 
Der mix sich selbsi so morderisch verfdhn. 



15 



Der schande! Leugn es: liebe gibst du Keinenri" 
Du fur dich selber aller sorge bar. 
Gesieh dass du geliebi bisi von manch einem. 
Doch dass du niemand lieb hasi isi ganz iar. 

Du bisi dir selbsi so mSrderlich verhassi 
Dass du dich selbsi ansiiFresi ohne graun: 
Zersioren tuillsT den herrlichen palasi- 
IA!O deine pflichi es tuar an ihm zu baun. 

Causch deinen sinn so Tausch ich meinen mui. 
Soil schoner tuohnen hass als edle lieb? 
Sei so tuie deine nahe- hold und gui- 
Und guiig mindesiens dir selber gieb! 

Mach dir ein andres selbsT aus lieb zu mir 
Dass schonheii lebi im Deinen oder dir. 



16 



XI 



So schnell als du veriueksT so schnell gedeihsT 
Im Deinen du durch das uuas du emsendesT. 
Das frische bluT dann was du jung verleihsi 
Heissi dein uuenn du dich von der jugend uuendesi. 

Darinn liegi tuissen schonheii FruchibarKeii 
Daraussen xorheii alier Karces ende . . 
Nenn all so dachien ware schluss der zeiii 
Nur ein schocK jahre bis die were verende. 

Wen nichi naiur besielli zur schaffnerei- 
HarTi formlos' roh - dass der unfruchibar sterbe! 
Sieh! tuern sie viel gab schenja sie noch dabei- 
Betuahre guiig du ihr gutiges erbe. 

Sie dich als siegel schneidend sprach damii: 
>Brauch es zum drucK- zersiore nichi den schnin!< 



17 



XI! 



Zdhl ich im glocKenschlag den schrin der zeii- 
Seh ich in grausige nachi den hehren lag 
UersenKT- und veilchen tuenn der fruhling tueiT- 
Und silbrig weiss wo dunKle IOCKC lag . . 

Seh ich den siolzen baum dess blaner sTarben- 
Der herden jungsT vor sonnengluT beuuahrr 
Des sommers ganzes griin gehdufr in garben 
Hinausgeruhrr in toeissem siruppigem bart: 

Dann denK ich tuie's mh deiner schonheii isi- 
Dass sie im TrummertuerK der zeit vergehx^ 
Da suss- und schones selber sich vergissi 
Und siirbT so schnell als andres vor ihm siehi. 

Uor Zeit mh ihrer sense isi Kein schutz 

same - ihr uuenn sie dich hok zum iruiz. 



18 



XIII 



O LudresT du dir selbsi! Doch Lieb du bisi 
So lange nur dir selber als hier lebend. 
Du mussi dich rusien zum verlauF der frisi- 
Dein susses aussre einem andren gebend. 

So wurde schonheix die du hdlisi als lehn 
Niemals verfallen und du ludrsi nicht minder 
Du selbst nach deinem lode wenn ersiehn 
In deinen siissen Formen susse Kinder. 

So schones haus - uuer lassi es dem verfalh 
IA!O ordnung gabe ehrenvollen hah 
Wider der toinierrage siurmischen prall 
Und durre uuui und lodes eiuiges Kali? 

O nur verschuuender . . . Ceurer- uueissi du nichi: 
Dir war ein vaier? Dass dein sohn so sprichi! 



19 



XIU 



NichT von den siernen nahm ich uuissenschafi. 
Besiiz ich auch - so scheini mir - deuTCKunsT. 
Nur red ich nichi von gliiCKs und unheils Kraft 
Won pesi von Teurung oder jahres gunsi- 

Noch Kann ich uuahrsagen fur Kurze Frist 
Ob donner drohT ob regen oder uuinde 
Noch fursien Kunden wie die zuKunfr isi 
Durch hdufigen spruch den ich im himmel Finde. 

Won deinen augen Kommi mir uoissenheiT. 
Doni sTdndige siernei les ich solchen saiz: 
Dass ireu und schonheh im verein gedeihm 
Besinnsi du dich und mehrsi den vorraTschatz. 

Cu dies da ich sonsT prophezeien muss: 

Dein iod !ST ireu und schonheiis Fall und schluss. 



20 



xw 



DetiK ich ujie alle dinge die dasiehn 
UollKommen dies nur eine Kurze siund tun 
Und dieser riesige schauplaiz nur IQSST sehn 
Nas sierne im geheimen einFluss Kundiun 

MerK ich dass wie ein baum der mensch ansTeigi' 
ErquicKTi ersiicKT von ganz derselben lufi' 
In jugendsafr sich ruhrm- sich abuudrrs neigT 
Sein riisTig dasein hinbringi fur die grufr: 

In bildern solcher unbesidndigKeii 
SchiuebsT du dann vor mir ganz in jugendprachT 
Und der Uerfall hdh: rai mil uuusier Zeii- 
Ziehi deinen jugendiag in garsiige nachi. 

lch- mix der Zeii im KampFe dir zu lieb' 
Geb dir tuenn sie dir tuegnimrm neuen Trieb. 



21 



XV/I 



Was zahlsi du nichi mil mdchTigerem schlage 
Der ZeiT dem bluiigen xyrannen- helm? 
Nas sTtirKST du dich nichi fur die niederlage 
Heilsamer als durch meinen durren reim? 

Du blicKsi herab von seliger siunden hang: 
Und manch jungfrdulich unbebaui gefild 
Cruge dein lebend grun mix Keuschem drang 
Das mehr dir gleichi als dein gemaltes bild. 

DEM leben bringe lebens zug getuinn 
Das schrifr der Zeit nichi noch mein schulersiifr 
Urn zu erhaken dich im menschensinn - 
/In innrem wen und dussrer schone iriffr. 

GibsT du dich uueg- erhalisi du dich zurucK: 
Leb durch dein eignes susses meisTersuicK. 



22 



XUII 



Wer glaubi mir spciien auch tuenn du erschiensi 
In meinem vers mil deiner reichsten gabe? 
Er zeigi - uueiss himmel - Kaum dein halb verdiensi 
Und hulli dein leben tuie in einem grabe. 

Han ich dem reize deines augs genugT- 
Mass ich in neuem maass all deine schone- 
So sprache Kunhige zeii: >der dichier liigi. 
Kein erdgesichi birgi solche himmelsi6ne.< 

Wer dann die akersgelben bldner las 
Lachi - iuie auf greise minder wahr als lang 
Nenni dein gui rechi ein dichierlich geras^ 
Gedehnien ion von einem alien sang. 

Doch lebi dann noch von deinem siamm ein glied 
So lebsi du ztuier: in ihm und meinem lied. 



23 



XUIII 

Soil ich vergleichen einem sommertage 
Dich der du lieblicher und milder bisT? 
Des maien Teure Knospen drehn im schlage 
Des sturms und allzuKurz isi sommers frisT. 

Des himmels aug scheinT manchmal bis zum brennen 
Crdgt goldne farbe die sich oh verlierri 
Jed schon will sich vom schonen manchmal irennen 
Durch zufall oder uuechsels lauf enizien. 

Doch soil dein ewiger sommer nie ermanen: 
Dein schones sei vor dem verlusi gefek. 
Nie prahle Cod du gingsT in seinem schanen . . 
In ewigen reimen ragsi du in die ze'n. 

Solang als menschen aimen- augen sehn 
Wird dies und du der darin lebi besxehn. 



24 



XIX 



V/erschlingerin Zeii- siumpF ab des louuen K!QU 
Heiss Erde schlingen eigne susse brui! 
Den spixzen zahn aus Tigers rachen haih 
Langlebigen phonix brenn in seinem blut! 

Frohe und iriibe zeiien lass zurucK- 
Behandle uie du tuillsi< schnellfussige Zeii> 
Die weiTe uueli und all ihr wekend glCJCK! 
Nur Ein ganz furchibar unding lass beiseii: 

O schneid nicht in des Liebsien schone braun- 
Zieh Keinen sirich mil deinem alien siifr- 
/luf deinem gang lass unbeflecKi ihn schaun 
Den Kunfrigen als der schonhek meisierschrifi! 

Bring- alie Zeii- die schuuersie schcidigung! 
In meinem lied bleibi meine liebe jung. 



25 



XX 



Ein FrauenanTliTz das Ncnur selbsthdndig 
Gemali - hasx du^ Herr-Herrin meiner minne^ 
Ein zarres Frauenherzi doch das nichi sidndig 
Den wechsel suchi nach falscher frauen sinne. 

Ein aug so hell toie ihrs doch nichT so hehlend 
Jed ding vergoldend toorauf es sich uoendei- 
Ein mann in Form- den Formen all befehlend- 
Der mannes aug und weibes seele blendei. 

Du loarsi als Frau gedachT als erst dich schaffre 
Naxun doch sie verliebte sich beim uuerKei 
Indem durch ZUIOT sie dich mir eniraffie 
COT sie ein ding bei - nichi Fur meine ziuecKe. 

Doch da sie dich erlas zu tueibes labe- 
Sei mein dein lieben- ihnen liebes-gabe. 



26 



XXI 



So isi das meine nichi wie jenes Lied 
Das angemalie schonheii ireibi zum 
Das gar zur zier den himmel herbeschied 
Und jedes Schon als eignes Schon besang. 

Mil siolzem gleichnis machT es Kein geschling- 
Hit sonn und mondi Kleinod aus flui und grund 
Mix ersiem maiflon jedem seltnen ding 
Nomii der himmel saumi sein machiig rund. 

Wahr tuie mein lieben sei mein schreiben tuahr. 
Und glaubi dann: meine liebe !ST so schon 
Wie jeder muner Kind nur nichi so Klar 
l/slie jene goldKerzen auf himmelshohn. 

Rede tuer redereien liebi sein xeil! 

Ich ruhme nichi dass mir ein ding nichi feil. 



27 



XXII 

Nichi glaub ich meinem spiegel- ich sei ak 
Solang ihn du und jugend- euch noch gleichT. 
Doch seh ich: Zeii reissT in dich ihren spall- 
So tueiss ich dass mein Tag sein end erreichT. 

Denn all die schonheh: hingesTreui auf dir 
DecKT als ein schicidich Kleid mein herz nur zu: 
Das lebt in deiner brusi uuie deins in mir: 
l/slie Konni ich also alter sein als du? 

O Liebe- drum nimm auf dich selbsi bedachT 
Nie ich der es fur dich - Fur sich nichT - TUT. 
Ich Trag dein herz und nehm es so in achi 
Wie zone amme halt ihr Kind in hut. 

Beanspruch nichi dein herzi gehi meins zu grabe: 
Du gabsT mir deins auf nimmeruuiedergabe. 



28 



XXIII 

So uuie ein unvollKommner spieler TUT 

Der seine rolle in der angsT vergass 

Und wie ein wild geschopf mix zuviel WUT 

Das selbsx sich schwachi durch siarKe-ubermass: 

So enifiel mir weil ich mir nichi venrau 
Des liebe-gonesdiensies richiiger gang. 
Durch eigne tuuchT scheinx meine liebe flaui 
BedrucKT durch eigner sTarKe uberschwang. 

O sei mein buch drum meine redeKunsT 
Und sTummer Kunder meiner brusT die fragt! 
Es fleht urn liebe und schauT aus nach gunsT 
Mehr als der mund der mehr schon mehr gesagT. 

O lern versiehn was siille liebe schrieb! 
Mix augen horen - das Kann Kluge lieb. 



29 



XXIU 

Mein auge ward zum maler und es fassi 
fluf meines herzens grund dein Komerfei. 
Mein Korper !ST der rahmen drin es passi: 
/lls Tduschung isi es besie malerei. 

Denn um dein tuahres bild zu finden mussi 
Du durch den maler sehn ders hergesielk. 
Siets hdngT es in der uuerKSTan meiner brusi: 
Ihr fensier isi dein aug das sie erhelli. 

Sieh: aug und aug wie dienen sie sich fein! 
Mein aug schuf deine form^ deins !ST fur mich 
Das FensTer meiner brusi uuo sonnenschein 
Froh durchschauti denn er schaui darin auf dich. 

Jedoch Ein KunsTgriff bleibi dem auge fern: 
Es mak nur was es siehii KennT nichi den Kern. 



xxu 

Lass die begiinsiigT sind von ihrem siern 
Won Qussrer ehre prahlen- rang und prachT: 
lch- durchs geschicK von solcher glorie Fern- 
Geniesse siill was meine ehre machT. 

Der Fursien gunsTlinge xun schon sich auf 
Wie vor dem sonnenblicK die ringelblum . . 
Doch oFr nimrm ihre hoFFart jdhen lauf: 
Ein siirnerunzeln und es stirbT ihr ruhm. 

Der miihevolle Krieger KampFbegabT 
Nenn er nach Tausend siegen schmach erlin 
IST aus dem buch der ehre uueggeschabi- 
Uergessen isi was vormals er ersiriu. 

Welch gliJCK Fur mich: ich lieb und bin geliebi 
Wo ich nichT schiebe und mich Keiner schiebt. 



31 



XXWI 

Herr meiner liebe der in lehenspflichi 

Halt meine schuld geKnupfr an seine gunst! 

Dir send ich diesen schrifrlichen berichti 

Nur zeichen meiner schuld nichi meiner KunsT. 

So grosse schuld die eine KunsT so Klein 

Bar scheinen Idssi - denn redend bleibT*sie siecKen 

Doch hoff ich eine gute meinung dein 

In deiner seele tuird die nacKie decxen. 

Bis jener stern der mich zum gang geirieben 
Mix giinsTigem siande gnadig auf mich lachi- 
Gewdnder legi um mein armselig lieben' 
Mich uuurdig zeigi Fur deine susse achi: 

Dann wag ich mich zu ruhmen ersi >dich iieb ich< 
Bis dahin war es gut- verborgen blieb ich. 



XXUII 

l/vlenn mud der muh ich auf mein lager eile- 
Die Teure ruh fur glieder reise-maiT- 
Dann ersi beginni in meinem Kopf die meile 
GibT werK dem geisi' hai es der Korper sait. 

Denn dann will mein gedanKe aus den uueiien 
Zu dir in frommem pilgenume gehm 
Mali tueii die lider auF die niedergleken 
Und schaui ins dunKel das die blinden sehn. 

Doch das erirdumTe Sehen meiner seele 
Beui deinen schanen dar sichiloser schau 
Gleich dem im Finsier hdngenden juuuele- 
Machi schon die nachT die vorher all und grau. 

Sieh tuie bei xag den leib- bei nachi den geisi 
Nie unser beider schuld zur ruhe uueisi. 



33 



XXUIII 

Wie Kehr ich je zuriiCK in heiiren sTand 
Wenn mir der ruhe uuohliai wird eniriicia? 
Nenn xages drucK bei nachT nichT lindrung fand 
Und nachi bei Tag und Tag bei nachT bedriiaa? 

SiehT jedes auch als feind des andren heer- 
Sie reichen sich die hand- zur Poker mir: 
Diese durch muhe- jener durch beschtuer 
Dass ich mich miihe - sieis mehr uueg von dir. 

Ich sag dem Tag: hell seisT du ihm zur prachT 
Und ziersT ihn uuenn geuiok das blau verdunKelT . . 
So schmeichl ich auch der schwdrzlich schauenden nachT: 
Du fdrbesT golden tuenn Kein sTernlichT funKek . . 

Doch Tag mehrc Tages meine sorgen immer 

Und nachT machT nachTs des grames hane schlimmer. 



XXIX 

Wenn ich verbanm von glucK und menschenblicK 
Bewein allein mein ausgesiossnen-los 
Mich selber sehend fluche dem geschicio 
Zum Tauben himmel schreie aussichilos: 

Mochi ich uuie einer sein mil freunden vieh 
Wie er geformT' tuie er von hoffnung voll 
Und tuijnsche eines Kunsii des andren ziel - 
Dess mindest froh was meisi mich freuen soil. 

In solchem sinnen fast mich selbsi verachiend 
FallsT du mir ploizlich ein: ich sieig empor 
Und- wie die lerche mit dem fruhroT irachtend 
/lus iriiber erd^ lobsing am himmelsior. 

Dein^ susse liebe- denKen bringT solch glucK.. 
Nun uueis ich Tausch miT Konigen zurucK. 



35 



XXX 

Wenn ich zu sussen siillen sinnens lag 
flufruf' erinnrung der vergangenheii- 
Beseufze manch ein ding uuoran mir lag 
Und akes uoeh neu uueinT um schuound der zeii: 

Dann fliessi mein aug dem serene ircine Kam 
Um Teure Freunde fern in TodesnachT- 
Rinnt um der long getilgien liebe gram- 
Klagi um den ausfall viel verblichner prachT. 

Dann schmerzen mich die schmerzen IdngsT enragen 
Und schwer von wen zu tuehe zdhl ich her 
Die irube lisie schon beidagier Klagen 
Und zahle sie uuie nichi bezahli vorher. 

Doch denK ich. Teurer freund- an dich dieiueiU 
Sind sorgen feme und verluste heil. 



XXXI 

Dein busen IST miT alien herzen reich 
Die ich gesiorben meinie beim verlusi - 
Der lieb und jeden liebesdings bereich 
Und aller freunde die ich TOT gewussi. 

Wie hoc viel heilige TrauerhaFie zdhren 
Fromm-ieure lieb in meinem aug eruuecKT 
ft\s rechi der xoten - und nun schema die uudren 
Eituas eniruciaes nun in dir versiecia! 

Du bisi die grufr LUO liebe lebi im grab- 
V/om denK-schmucK meiner fernen lieben voll 
Sie gaben all ihr ieil von mir dir ab^ 
Nun isT ganz dein was vielen eignen soil. 

Jed bild das ich geliebi seh ich in dir 

Und du - sie all - hasi all das all von mir. 



37 



XXXII 

Wenn du vom gunsiigen Tag an tueherlebsT 
Wo rupel Cod sTaub sireui auf mein gebein - 
Zufdllig mil dem blicKe nochmals schuuebsi 
fluf deines lOTen minners plumpen reihn: 

Uergleich sie mix der zeii verbesserung^ 
Beiuahr sie- iiberholT durch jede schrifT^ 
Urn meine Hebe- nichT um ihren schtuung 
Dess hohe manch begluciaerer uberrriffT. 

Sprich huldvoll dann mil liebendem bedachi: 
>Wdr mil der zeii gedeihn gediehn sein sang- 
Hdir edler uuerK des freundes lieb erbrachi 
Um dazusTehn in sianlicherem rang. 

Doch da er siarb und dichier besser schrieben 
Les ich sie um den ST!|. ihn um sein lieben.< 



38 



XXXIII 

Manch prdchmgen morgen sah ich ubergluhn 
Die bergeshohn mix Koniglicher gunsi.. 
Sein goldnes aniliiz KUSST der tuiesen griin- 
V/ergiildeT bleichen sirom mix gonerKunsx. 

Dann liess er niedersies gewok beziehn 
Mk garsiigem dampfe seinen himmelsblicKi 
UerhiillT aus der verlassnen tueli zu fliehn 
Unsichibar wesTiudrTs mil dem missgeschicK. 

So sah ich fruh einsT meiner sonne schein 
Mk dem allsieger-glanz auf meiner brau^ 
Doch ach- nur eine siunde war sie mein: 
Hoh-tuoken bergen mir nun ihre schau. 

Doch- liebe- fur dies blassen nimmer hasse 
Sonnen der well tuenn himmels sonne blasse! 



39 



XXXIU 

Narum versprachsi du solchen schonen Tag 
Dass ich mich ohne mantel aufgemachT? 
Mich holten niedre woken ein - da lag 
Uerhulli in fauligem dunsie deine prachi. 

's isi nichi genug dass du durch woken siehsi- 
Und irocKen wischsx mein siurmgepeiischT gesichT 
Denn Keiner solche salbe lobi: sie schliessT 
Die wunde aber heilt den unfall nicht- 

Noch ziehi mein schmerz arznei aus deiner scham . 
BereusT du ouch- isi der verlusi doch mein. 
Nur schwache lindrung gibx des KrdnKers gram 
Dem der errrdgi der schweren KrdnKung pein. 

Doch Trdnen die du weinsi sind perlen - ach! 
Und sie sind reich und suhnen jede schmach. 



40 



xxxw 

NichT longer sei dir leid was du getan - 
Rose hai dornen- schlamm der silberbronn- 
Der eKle tuurm frissi sussie Knospen an^ 
Nok und verfinsTrung FlecKT auf mond und sonn. 

Nir irren all und ich bin darin irr 
Dass ich mil gleichnis dein vergehn erhebe 
Mich selbsT besiechend lose dein gewirr 
Und deiner schuld mehr tuie sie gilt vergebe. 

Fur deine sinnenfehler Find ich sinn - 
Dein eigner uuiderpan: spricht fur erlass - 
Ich der vorm rechi mein eigner Kldger bin . . 
Solch innren Krieg Fuhrr in mir lieb und hass 

Dass er zum helfershelfer mich befiehk 
Dem sussen dieb der biner mich besiiehk. 



41 



XXXUI 

Wir mussen sein tuie zuuei- lass mich gesTehn. 
IST unsre liebe auch unieilbar-ein. 
Du darfsT die flecKen nichT die mix mir gehn 
Minragen tuollen- sondern ich allein. 

In unsrem lieben !ST nur Ein bedachi- 
Isi auch im leben irennender verdruss. 
Wohl schtudchi er nichT der liebe voile machi- 
Doch sTiehlx ihr susse sTunden vom genuss. 



NichT heiss es mehr ich sei verTraux mh din 
Sonsi bringi dir mein beidagier fehler scham- 
Noch zeig du offner guxe ehre mir^ 
Dass nichT von seiner ehre IdssT dein nam. 



Doch TU dies nichT! derarT !ST unser bund: 
Mein da du mein bisT- !ST auch dein leumund. 



42 



XXXUII 

So siehi ein greiser vaier freudenvoll 
Wenn frisch sein Kind das uuerK der jugend schaffT . . 
So gibi min lahm durch schicKsals xiefsten groll- 
fl\\ meinen Trosi dein wen und deine Kraft. 

Ob adel schonheh: reichTum oder witz 
Ob eins davon in dir ob alle ganz 
BerechTigi seien zum geKronxen siiz: 
Ich pflanze meine lieb auF deinen glanz. 

So bin ich nichi verschmahi noch arm noch man 
Nenn dieser schanen solches marK verleihT. 
Ich fiihle mich in deiner fulle son 
Und leile alle deine herrlichKeii. 

Sieh was das besie isi uuiinsch ich fur dich. 
Mein tuunsch uoard mein: drum zehnmal gliJCKlich ich! 



43 



XXXUIII 

Fdllx meiner muse die erfindung schwer 
Solang du hauchsi? Du siromsi in mein gedichi 
Den eignen sussen inhali- allzuhehr 
f\\s dass er aus gemeinem blane sprichi. 

O danK dir selbsi tuenn eiwas du in mir 
Der durchsichi tuurdig dir vors auge sTellsi: 
No bliebe einer sTumpf- schreibi er von din 
Da selbsi du mk erfindung ihn erhellsi. 



Du zehnie muse^ zehnmal mehr an uaen 
/Ms die von reimern angeflehTen Neun! 
Die zu dir rufen denen sei'n bescherc 
Gesange die sich euuigen daseins Freun! 



Gefdlli mein schlichies lied der spdhenden zeir 
Sei mir die muh und dir der ruhm bereii! 



44 



XXXIX 

Nie mag ich deinen uuen m'n ansiand singen? 
B'IST du doch nur der bessere Teil von mir! 
Was Kann mein eignes lob mir selber bringen? 
Mein lob isi nun red ich zum lobe dir. 

flus diesem grund lass uns geschieden leben. 
NichT heisse unsre liebe eins hinfur: 
So Kann ich dir durch diese Trennung geben 
Nas dein verdiensi isT- dir allein gebuhr. 

O was Fur eine qual das Fernsein bliebe^ 
Gab nichi dein binrer urlaub siissen Fug 
Zu sinnen in der ziuischenzeii von liebe^ 
Was zeii und sinn hinhdli miT sussem irug- 

Und lernT ich nichi uuie ztuei aus eins enisiehT- 
Wenn ich hier preise den der Fern don: geht. 



45 



XL 



Nimm meine lieben- lieb. ja nimm sie alle! 
HOST du nichi alles- gab ichs nichi schon eh'r? 
Kein liebem liebi das dir als echi gefalle - 
Mein alles war schon dein vor diesem >mehr<. 

Nenn mir zu liebe du mein lieb empfdngsT 
So Tadl' ich nichi wenn du mein lieb bedarfsT. 
Doch sei geiadeli tuenn du nur dich hdngsi 
In iroTziger IUST an das was du vertuarfsi. 




Uergeben sei der raub dir holdem diebe- 

Stiehlsi du auch uueg all mein geringes gui. 

Und doch - tueiss liebe! - grossern schmerz bringi liebe 

Durch unbill als der hass durch offne UUUT. 

Nollusiige anmui! dir siehi schlechtes fein. 

Qual mich zu lod! nur feind darfsT du nichT sein. 



46 



XLI 



Die hiibschen siinden die der leichTsinn TUT 
l/vlenn manchmal ich von deinem herzen fern: 
Sie sTehn der schonheiT deiner jahre QUT- 
Denn wo du bisT folgT die versuchung gern. 

Liebreich bisT du: und deshalb zu geiuinnen 
Schon bisT du: deshalb wird um dich geKriegT^ 
Und welches tueibes sohn wenn toeiber minnen 
Uerliesse murrisch sie eh sie gesiegT. 

Neh mir! doch meiden KonnTesT du mein haus 
Und deine schonheiT schmdhn und junge IUST 
Die donhin dich enTfuhrr in saus und braus 
No ziuiefach du die Treue brechen ITIUSST: 

Ihre- weil deine schonheh IOCKT zu dir - 
Deine- toeil deine schonheiT falsch zu mir. 



47 



XLII 



Dass du sie hast IST nichT mein ganzer gram 
Und doch tuird rechi gesagt: sie liebi ich herzlich. 
Dass sie Dich hai !ST was als schlimmsies Karri- 
Mehr iriffi mich DER verlusi an liebe schmerzlich. 

Die ihr miT liebe KranKi- seid so enischuldei: 
Du liebsT: denn du lueissi sie von mir geliebi. 
fluch sie beTrugi mich meineihalb und duldei 
Dass meineihalb mein Freund sich ihr ergibi. 

Werlier ich dichi geuuinnT mein lieb dabei- 
Won mir verloren fand mein freund sie - beide 
Finden einanden ich verliere zuuei 
Und beide Tun mir meinihalb dies zu leide. 

Doch dies isi gui: ich und mein Freund sind Ein - 
Suss schmeicheluuori: so liebT sie mich allein. 



XLIII 

Mein auge siehT am besieni schliessT es 
Da es sich Tags an nichxige dinge uuendei. 
Doch- schlaf ich- blicia in irdumen es auf 
Isi ndclrug-helh hell in die nachi gesendei. 



Denn du^ dess schanen hell durch schanen 
Wie machTe deines schanens form ersi Froh 
Den Klaren Tag durch dein viel Klarer lichTi 
GldnzT schon geschlossnem aug dein schanen so! 

Nie> sag ichn uodr des auges gliJCK ersT gross 
Nenn es dich sdhe im lebendigen Tag- 
Da schon in uner nachT dein schanen bloss 
Durch schuueren schlaf vor blinden augen lag. 

Cag isT uuie nachT zu sehn eh ich dich son- 
NachT heller Tag- bringT dich der Traum mir nah. 



49 



XLIU 



Wdr meines fieisches dumpfer staff der sinn 
So Triebe feme mich nicht KrdnKend fort. 
Dann zoge ich dem raum zum Troize hin 
Won wen emlegner marK an deinen on. 




Dann uudrs das gleiche uuenn mein fuss auch stand 
fluf fernsier erde uueggefuhn alleln: 
Der flinKe sinn springt uber meer und land 
Schnell uuie den platz er denKi wo er tuill sein. 

/Ich sinnen totet mich dass nichi als sinn 
Ich tuenn du fern bist laufe lange meile- 
Dass ich der viel aus erd und tuasser bin 
Muss seufzend warren auf die gunsi der tueile. 

Da mir solch trage stoffe nichis verleihn 
/11s Trdnen schuuer - zeichen von beider pein. 



50 



XLU 

Die andren: leichie lufi und Iduiernd feuer 
Umgeben beide dich wo ich auch bin- 
Nah-ferne gleixend miT geschiuindem sieuer.. 
Jenes isi meine sehnsuchm dies mein sinn. 

Nenn diese schnellern sioffe sich befrein 
Zu zanem liebesboien-diensTi so bucKi 
Mein leben- das aus vier besTehx- mil zuuein 
Sich hin zum Tod von iraurigKeii erdrucKi. 

Dem leben Kommt ersi neuer hak wenn nahn 
Die raschen sendlinge zuriJCK von dir.. 
Sie Kehren eben uuieder und sie sahn 
Gesund und schon dich und berichiens mir. 

Dies bringT mir freude: doch nur Kurz enizucKT 
Send ich sie tuieder uueg und bin bedrucKT. 



51 



XLUI 

Mein herz und auge Kdmpfen darob wild 
f\r\ wen die beuie deines anblicKs folk: 
Mein auge will mein herz von deinem bild 
Wegdrdngen und mein herz am vorrechT hdli. 



Mein herz fuhn dies an: in ihm sei dein 

Nie vom Krisiallnen aug durchbohrier schrein. 

Jedoch der gegner leugneT diesen saiz 

Und sagii in ihm nur sei dein holder schein. 



Die frage zu enischeiden ubernimmi 
Gerichishof von gedanKen- alle Knechie 
Des herzensi und ihr wahrspruch hai besiimmT 
Des Klaren augs des leuren herzens rechie- 

Wie folgi: dass meinem aug dein dussres bliebe 
Dem herzen deines herzens innre liebe. 



52 



XLWII 

Ein biindnis ztuischen herz und aug fand sian- 
No eins dem andren guie hilfe schicia. 
IST aug nach einem blicKe hunger-man- 
IST herz von liebendem geschluchz ersiicia: 

Hit meiner liebe bild mein aug dann prassi 
Und Iddi mein herz zu dem gemalten schmaus. 
Dann toieder rufr mein herz mein aug als gasi- 
CeilT ihm von seinem liebes-sinnen aus. 

So durch dein bildnis oder meine liebe 
Bisx du auch feme gegentuanig mir. 
Dir isi Kein ore uuohin mein sinn nichi iriebe 
Und ich bin SICTS bei ihm und er bei dir. 

Undi schldfi en uuecia dein bild in meiner brusT 
Das herz zu herzens und zu auges IUST. 



53 



XLUIII 

Wie achisam war ich- ging ich aus dem haus! 
Jed Kleines ding verriegelie ich gui- 
Schloss es zu meinem ninz vom nuizen aus 
Unehrlicher hande- in der Treue hui. 

Doch du der land aus meinen schdTzen machT- 
Heui grossier gram^ du irosi vor allem lieb 
BesTes vom leuren- meine einzige achi- 
Du tuardsi als beuie jedem schnoden dieb! 

Dich schloss ich nicht in andre Truhe ein 
f\\s wo du nicht bisi - fuhl ich auch du bisT - 
Drinnen in meines busens edlem schrein . . 
Du Kommst und gehsT wie dir gefdllig !ST. 

Doch siiehk man dich auch dorr - mir bangT- es weise 
Sich Creue selbsT als dieb bei solchem preise. 



54 



XLIX 

Fur jene zeix - war ich ihr nie gedenK! - 
Nann du auf meine Fehler zurnend siehsii 
Du hintuarfsT deiner liebe lezi geschenK- 
/luf Klugen raTschlag deine rechnung ziehsi: 

Fur jene zeii LUO du dich Fremd ernfernsi' 
Kaum diese sonne mich - dein auge - g 
Wenn ursach findend zu gemessnem ernsi 
Die liebe fruhere dinge eingebussi: 

Fur jene zeii umschirme ich mich hier 

In meines eignen toeries uuissenheii 

Und heb die hand auf- selber feindlich min 

Dem guien rechi zum schuTZ auf deiner seix. 



V/erlass mich nur- da das geseiz dich schiizi 
Und mich Kern grund dass du mich liebesT STUZT! 



55 



Wie schtuer tuandr ich auf meinem wege fon 
Und meiner Triiben reise ziel nur scheu'nd . . 
Denn seine rast und labung lehn dies wort: 
>lAlie tueii die meilen messen bis zum freund!< 

Mich TrQgT mein lier das mud von meinem wehe 
Dumpf weiter irabt - es iragx die last in mir - 
/lls ob des armen innrer irieb verstehe: 
Sein reker liebi nichT eile- fern von dir. 

Die bluiigen sporen reizen es nicht mehr 
Die manchmal in die hauT ihm siossi mein zorn 
Und mix gesiohn erwiden es mir schtoer 
Das fur mich schdrfer isi als ihm mein sporn. 

Denn dies gesTohn rufr meinem geisi zurucK: 
Mein gram liegt vorn und hinien liegT mein glucK. 



56 



LI 



Enischuldige liebe fur langsamen truiz 
Den dumpfen irager- brech ich von dir auf! 
SoIlT ich enteilen tuo du bisT? Nichi nuiz 
IST bis ich uuiedencehr ein schleuniger lauf. 

Nas dann mein armes Tier enischuldigend sagi 
Nenn aussersies der schnelle mir diinia rasT? 
Ich gab die sporen selbsi vom wind gejagi 
Und siillsiand fdnd ich in beschuuingxer hasi. 

Dann hdli Kein pferd mil meiner sehnsucht schriu 
Und sehnsuchi soil - die vollsier lieb enispross - 
Niehern^ Kein dumpfes fleisch- in gluhendem rin. 
/lus lieb enischuldige liebe dann mein ross: 

>Einsij von dir gehend ging es xroxzig-lang. 
Hin zu dir lauf icrn lass ihm seinen gang.< 



57 



Ill 



Dem Reichen gleich ich dem sein liebes schloss 
/lufspringi zum suss verborgenen besiize 
Dess anblicK er nichi jederzeii genoss 
Dass nicht versTumpfi der sehnen freude spkze. 

Fesie sind drum so einzig und so hehr 

Weil dtinn-gesezT sie langes jahr durchschneiden 

Wie edle sTeine^ selxner wiederKehn 

Und tuie die haupijutuelen an geschmeiden. 

So hdli die zeii dich mir tuie eine lade 
Und uuie das fach vom Feiendeid gefulli: 
Besondre stunde bringi besondre gnade 
Wenn sie den eingefangnen prunK enThiillT. 

GesegneT bisi du: dessen wen- uuenn offen 
Zum jubel anlasst. wenn verdecKT- zum hoFFen. 



58 



Llll 



Was war der sioff der dich gebildei hanei 
Dass tausend fremde schanen dich umreihn? 
IST jedem dinge- jedem- nur Ein scheme: 
Kannsi din der Eine^ Tausend schanen leihn? 

Beschreib fldonisi und die schilderei 

IST eine schuuache nachahmung von dir.. 

Helenens siirn leg alle reize bei- 

Und du bisT neu gemak in griechischer zier. 

Uon Fruhling sprier^ von FruchTezek im jahr - 
Eins IOSST den schanen deiner schonhek sehn 
Das andre machT uns deine giJTe Klar: 
flus jeder Teuren Form uuillsT du ersTehn . . 

Kein aussrer reiz der nichT an dir erfreue! 
Doch gleichsT du Keinemi Keiner dir an Treue. 



59 



LIU 



O wieviel mehr die schonheii schon erscheinT 
Durch jenen sussen schmucK den wen ihr uoebi! 
Hold sieht die rose cms- doch holder meinT 
Man jenen sussen dufr der in ihr lebi. 

Wildbluien haben gleiche liefe glut 
/1m gleichen dorn wie riechend farbige rosen 
Und- tuenn des sommers aiem offen TUT 
Die Knospenlarven gleiches uppiges Kosen. 

Doch ihre Tugend liegT nur im gesichT- 
Sie leben ohne lieb und ehn am sTrauch 
/IbsTerbend . . siisse rosen Tun das nichT: 
/lus ihrem sussen Tod sTromT sussTer hauch. 

So Trdufle lieblicher und schoner Knabe- 
Wenn alles uuekT dein uuerT aus meiner gabe. 



60 



LU 



Nichi marmor lebi und nichi vergoldet mal 
Solang als diese mdchiigen melodieni 
Nichi scheini so hell als dieser reihen zahl 
Der schmuTzige siein von eider zeiT bespien. 

Wenn grimmiger Krieg die saulen uberrenni 
Und sireii das tuerK siiirzi das der maurer schuf: 
Nlchx schweri des Mars- nichi Kriegesfeuer brenni 
Deines gedachinisses lebendigen ruf. 

Durch Tod und allvergessenden verdruss 
Gehsi du hindurch . . dein preis bleibi noch besxelli 
Im auge aller Ktinfiigen die die uueli 
/lufbrauchen bis zu dem verhdngien schluss. 

So lebsT du bis du aufsTehsi beim gerichT- 
Hierin und in der Liebenden gesichi. 



61 



LWI 



Erneue- siisse liebe- deine Krafi 
Dass diese glut nicht siumpfer heissen darf 
/lls hunger der durch speise hein erschlaffi- 
/1m ndchsien Tag miT frischer sidrKe scharf. 

So- Hebe- TU! Machsi du auch heute voll 
Dein hungrig auge bis es schiuimmi vor sanheii: 
Schau morgen tuieder him nicht sierben soil 
Der geist der liebe durch besTandige manheii. 

Die Trube zioischenzeiT sei uuie das meer 
Das Kusien irenni uuo neuverbundnes paar 
Cdglich am sirand sich Triffi: die wiederKehr 
Der liebe siellx den anblicK schoner dar. 

/luch denice dir den winter grambeschuuen 

Der sommers gruss mehr lounschbar machi- mehr uuerT. 



62 



LUII 



Ich bin dein sKlave der nur auf die sTimden 
Und zeiien deiner IUST zu harren uueiss. 
Nie bin ich an Kosibare zeii gebunden 
Noch einen diensi uoenn nichx auf dein geheiss. 

NichT scheli ich auf die endlos lange frisi 
l/vlenn ich- gebieien deinihalb schau zur uhr 
Noch denK ich uuie die feme biner !ST 
Wenn dann dein Knechi auf deinen uuinK enifuhr. 

Nichi tuagi mein eifersuchiiger sinn die fragj 
No du nun bisi- an tuelch geschdfr du eilsi . . 
Ich harrei ein beTrubxer SKlav^ und sag 
Mir bloss wie du begliicKsi uuo du grad LueilsT.j 

Solch Treuer narr isi liebe: ihr isi rechx 

Was du auch tuunschesi- niemals denKT sie schlechx. 



63 



LUIII 

Y/erhiiTe Gon der mich euch schuf zum Knechi 
Dass ich im sinn zeii eurer lust bewachie 
Noch mir von euch auf sTunden ndhm ein rechi 
Ich eur vasall der eure musse achte! 

O IQSST mich eure freiheit - meine hafi - 
Erduldem eurem uuinKe nur mich uueihend. 
Geduldi gezdhmT zum le'idem habe Krafi 
Fur alle sTosse- nie der KrdnKung zeihend. 

CUT was ihr mogi! Eur FreibrieF gehi so uueii 
Dass ihr Konni spenden eurer siunden huld 
Fur was ihr uuoIlT- ihr dem das recht verleihT 
Selbsi zu vergeben selbsieruuorbne schuld. 

So tuan ich. !ST auch marten hollenglut. 
Nie ladl ich eure lust- ob bos ob gut. 



64 



LIX 



Wenn nichis neu JST^ schon alles vorher war - 
Wie unsre hirne dann beTrogen sind! 
Sie muhn sich urn erfindung . . nichT geuuahr 
Gehn sie mix zweiier IQST von fruherem Kind. 

O Ness erinnerung mich rucKgeuuandT 
Mehr als funfhundenmal der sonne gang- 
Dein bildnis sehn in einem alien band 
Seiidem zuersi der geisi aus zeichen drang! 

So sah ich was die well der /Ilien sprach 
Won deines wunders aufgesiellTem bau - 
Sind tuir verbessen? siehn wir jenen nach? 
Gleichen die umwandlungen sich genau? 

O ich uueiss uoohl: die KunsT der fruheren zeix 
HOT schlechierm gegenstand ihr lob geweihT. 



65 



LX 



Hie wogen drdngen nach dem steinigen sirand 
Ziehn unsre siunden eilig an ihr end 
Und jede TauschT mil der die vorher siand 
Muhsamen zugs nach vortudris nauigend. 

Geburr- einstmals in einer flui von lichi- 
Kriechi bis zur reife . . Kaum damiT geschmucKi- 
Drohi schiefe finstrung die den glanz durchbrichx 
Und Zeii die gab hat ihr geschenK enirucia. 

ZeiT sTichT ins grQn der jugend ihre spur 
Und hohli die linie in der schonheii braue 
FrissT von den KOSTbanceiien der natur . . 
Nichis 'IST uuorein nichi ihre sense haue. 

Doch hall mein vers fur Kunfrig alter stand 
PreisT deinen wen Troiz ihrer grimmen hand. 



66 



LXI 



Isi dein befehh dein bildnis halie offen 

Mein schiueres augenlid in Truber nachT? 

Und uuunschesi du mein schlummer sei durchbrochen 

Da mich ein schanen der dir gleichi verlachi? 

Isi es dein geisi der ausgesandi von dir 
So tueii vom heim in meinen Taien suchT 
Unehr entdecia und mussige ze'n in min 
Der ZUJCCK und inhali deiner eifersuchT? 

O deine lieb ist sehn doch nichi so gross.. 
Kraft meines liebens nur mein auge wachT. 
Mein eignes Treues lieben raubi mir bloss 
Die rasT uoenn sichs um dich zum tudchier machi. 

Ich wache fur dich hier und du tuachsi da- 
NeiT von mir uueg mil andren allzunah. 



67 



LXII 

Der eigenliebe sunde hai jed ieil- 
Mein aug uuie meine seele in geuualT - 
Und wider diese sunde isT Kein heil: 
Sie hai im innern herzen fesien hah. 

Kein aniliiz das mir so tuie meins gefiel' - 
So tuichiig Keine Form- so tuahr geprdgi . . 
Ich selbsi nur seize meinem wen ein ziel 
Der alien wen von alien andren schlagi. 



Doch wenn mein spiegel mich zu sehen 
Uon alters beize eingeKnicKi- zerfezi: 
Les ich die eigenliebe umgeKehn- 
Sich so zu lieben war verruchiheii jezi. 



Du bisis- mein Selbsi! dich lob ich und ich irage 
Mein alier in die schonheii deiner lage. 



68 



LXIII 

EinsT gehi es meinem liebsien wie mir JEZT. 
Ihn drucKi und schuodchi die Zeit mil rohem schlag. 
Wenn sie sein blut verdunm- die stirn verlezT 
M!T sirich und runzeh uuenn sein jugendtag 

Geuuanderr isi nach oilers jdher nachi - 
Und alle schonheii der er nun befiehli 
Enischiuindende und schon geschuuundne prachii 
Wenn sie ihm seines fruhlings schaize siiehli: 

Fur solche zercen sammle ich nun Krafr 
Dass fliers grimmes schuuerr ihm Feme bleibx- 
Dass es der tuek die schonheii nichT enTrafh 
Der siissen lieb ob auch des liebsien leib. 

Won seiner schonheh: zeugen schiuarze reihn: 
Sie werden ieben und er jung drin sein. 



69 



LXIU 



Sah ich durch grimme hand der Zeii zerraufi 
Reich-siolzen prunic vernuzT begrabner welTen 
Und sah ich hohe lurme die zerschelhen 
Und ewiges erz der Todes-iuuT verKaufr 

Sah ich das meer m\i seinem gierigen mund 
Ein STUCK vom KSnigreich des ufers Fassen 
Und fesien grund enxwandT den Fluienmassen . . 
Schwund uuird durch anuuachsi anuuachs wird durch schiuund 

Sah ich den wechselgang der dinge don 
Und diese dinge selbsi verdammi zum ubeln> 
Dann lehrren mich die Trummer so zu grubeln: 
Zeii Komrm und nimmT mir meine liebe Fon. 

Solch denKen isi tuie iod das so in not 

Weini dass es haT tuas ihm zu schiuinden drohT. 



70 



LXW 

Da erz und siein- land und endlose flui 
Beujdliigi uuird von Trubem erdenTume - 
KommT schonheii je zu won vor solcher wut 
Mit einer machi nichi sidrKer als der blume? 

O uuie soil sommers honigdufi noch uuehn 
In sTurmischer lage unheilvollem prall- 
Nenn unbeuuegTe Felsen nichi besiehn 
Und eherne Tore in der zeii verfall? 

O furchibarer gedanKe! Wo HOT schuiz 
Der zeixen besi juiuel vorm zeiiensiaub? 
Welch sTarKe hand beui schnellen fiissen truTz? 
Uerhinden einer je der schonheit raub? 

O nie! tuird nicht dies wunder offenbar: 
/lus schuuarzer schrifi sirahli meine liebe Klar. 



71 



LXUI 

Dies alles mud ruf ich nach Todes rasi: 
Seh ich Werdiensi als benelmann geborn 
Und durfiiges Nichis in herrlichKeii gefassi 
Und reinsTen Glauben unheilvoll verschtuorn 

Und goldne Ehre schdndlich missvertuandT 
Und jungfrduliche Cugend roh geschuudchi 
Und das Uolkommne ungerechi verbannt 
Und Kraft durch lahme lenKung abgefldchi 

Und Kunsi schtuer-zungig vor der obrigKeii 
Und GeisT vorm doKTor Narrheii ohne rechi 
Und Einfachheii missnannT EinfdliigKeii 
Und sKlave GUT in diensT beim herren SchlechT. 

Dies alles mud mochi ich gegangen sein- 
Liess ich nichi sterbend- meine lieb allein. 



72 



LXUII 

flch uuarum Er in der verseuchung lebi- 
Den freveln zier durch seine ndhe schaffr- 
Und siinde sich mix vorreil durch ihn hebt 
Und sich verbrdmT mix seiner nachbarschafi! 

Weshalb sein anilruz falschen malern borgT- 
UerblassTes sehn ihm siiehk lebendigen glanz 
Und arme schonheii auf dem umiueg sorgi 
Um dunsT von rosen! Er isi rose ganz! 

Was lebi er bei dem einsturz der Naxur 
Wo lebensadern beneln gehn um bluT? 
Sie hat Kein schaxzhaus als das seine nur. 
Siei STO|Z auf viele- lebt von seinem guT. 

Ihn hdli sie zum beuueis uuie reich besezt 
Sie war in fruherm jahr vorm schlechien jezT. 



73 



LXUIII 

Sein anilixz gibi das bild von fernen Tagen 
/11s schonheii lebi' und starb uuie blumen nun- 
Eh diese basiardzeichen sie getragen 
Und ujagie auf lebendige sTirn zu Tun. 

Eh von den TOien man den goldnen schoph 
Das rechi der grabessTdnen- scheren liess 
Zum ztuehen leben auf dem ziueiien Koph 
Eh man geprunia mit TOTer schonheii vliess. 

In ihm die heiligen alien siunden bluhn- 
Ohn alien zierati fur sich selbsi und ireu. 
Sie machien Keinen lenz mil andrem grun- 
Kein raub von aliem schmiicKTe schonheii neu, 

Mk ihm halt die Naiur ein bild empor 

Der falschen Kunst uuas schonhek war zuvor. 



74 



LXIX 

Dem xeil an dir auf das die well hinschaui 
Fehli nichis was herzens sinn verbessern KonnT. . 
Dies SOQT dir aller mund- der seelen laim 
Nur uuahrheiT Kundend die der feind selbsi gonnT. 



Dein dussres isi mil dussrem preis 
Doch alle die dein rechi so zugesiehn 
Werdrehn dies lob mil won das anders Tom 
Beim weiierdringen als die augen sehn. 

Sie spdhn nach schonheii aus in deinem 
Und Tun nach deinen Taten ihren spruch . . 
War auch ihr auge mild: ihr sinn Fugi dreisi 
Zu holder blume geilen unKrauis ruch. 

NichT isT dein aussehn und dein dufi im bund. 
Die ursach isi: du wdchsi auf aller grund. 



75 



LXX 

Dir sei Kein voriuurf wenn sle schmdhn gemachT- 
Da die verleumdung gern das holde siichT. 
Die schSnheix hai zum zierat den verdachii 
Die Krdhe fliegT in himmels schonsTes licht. 



Uerleumdung machi den were din uuenn du 
Nur grosseri dir umuuorben von der zerc: 
Denn lasters uuurm in sussten Knospen ruhi . . 
Doch isi dein fruhling rein und unenTiueiht. 

Du gingsT aus junger iage hinierhak - 
Seis nichi besTurmT- seis siegend im gefechi. 
Doch hai dein preis nicht so als preis geuualT 
Dass er den neid hemmi der sich stets erfrechT. 

Uerhullie nicht der argiuohn deinen ruhm: 
Du hdnesT aller herzen Konigium. 



76 



LXXI 

Nichi Idnger Klage urn mich tuenn ich TOT 
ft\s du die glocKe horsT die gramlich-graus 
Der tuelT die Kunde meines uueggangs boT 
/lus feiler wek zu FeilsTer uuurmer haus. 

Ja liesT du diese reihn- sei ausser Frag 
Die hand die schrieb! Dich lieb ich so dass eh 
Dein susses denKen mich vergessen mag 
f\\s dass du meiner denKend fiihlsT ein tueh. 

O- sag ich- siehsT du dann auf dies gedichT 
Wenn ich vielleichT verschuneT bin mk sTaub: 
Dann nenn auch meinen armen namen nichT- 
Dein lieben schuuinde mil des lebens raub. 

SonsT siehT die tuelT Klug auf dein Klagen him 
HohnT dich miT mir uuenn ich von hinnen bin. 



77 



LXXII 

fluf dass die welt Kein uuorr von euch begehr 
Was mein verdiensT war dass ihr mich noch liekn 
Nach meinem Tod: mein freund^ denKT mein nichi mehr 
Da sich aus mir nichis tourdiges ergiebi. 

Es sei denn ihr ersannei Frommen lug 
Um mehr fur mich zu Tun als ziemlich isi 
Und lobieT mich nach meinem uueiierzug 
Mehr als die Karge uuahrheii gern bemissx. 

Wiird eure wahre liebe falsch darin 
Dass sie aus lieb uniuahr gui von mir sprichi: 
Legt meinen namen uuo mein leib ist hin- 
Und euch wie mir zur scham verbleib er nichi! 

Ich bin beschQmi durch das was ich vollbring . . 
Ihr miissT es sein liebi ihr ein uuerilos ding. 



78 



LXXIII 

Die zeii des jahres magsi du in mir sehn 
Wo gelbe blatter- Kerne- wenige hangen 
/luf diesen dsien die irn wind sich drehn- 
Chor-irummer Kahl too einsi die vogel sangen. 

In mir siehsT du zwielichT von solchem Tag 
Der nach der sonne tueggang bleichi im west- 
Das schuuarze nachi gar bald enifuhren mag . . 
Ztuilling des xods umhulli sie alles fesi. 

In mir siehsi du das brennen solcher glui 
Die auf den aschen ihrer jugend schuuebi 
Wie auf dem Toienben uuo sie bald ruhi - 
Durch das verzehrT uuovon sie einsi gelebi. 

Dein lieben uuachsi- uuirsT du dir dess betuussi- 
Und du liebsT uuohl was du bald lessen mussi. 



79 



LXXIU 

Doch sei zufriedeiv wenn der grouse spruch 
Ohn alien aufschub mich von dannen Treibi: 
So HOT mein leben wen in diesem buch 
Das noch als angedenicen bei dir bleibi. 

Du siehsi uuenn du es iibersiehsT hinfur: 
Den grossren anTeil widmeie ich dir. 
Die erd erhdlt nur erde als gebuhr 
Mein geisi isi dein- der bessre xeil von mir. 

So HOST du nur verloren uuenn ich sTarb 
Des lebens hefe- Furs gewurm den resi- 
Die beuTe die ein meuchler Feig eruuarb - 
Zu schlechi als dass du dich erinnenesT. 

Der wen von jenem isi was ihm enischwebT 
Und das !ST dieses hier: was mit dir lebt. 



80 



LXXU 

So bisi du meinem sinn wie broi dem leibe- 
Wie suss gewurzier regen isi Furs feld. 
Ich der urns gltiCK in dir in Kdmpfen ireibe- 
Nie es dem geizhals gehi mix seinem geld- 

Bin bald wie ein geniesser siolz- bald bang 
Dass diebisches alier seine schdtze raube. 
Bald wiinsch ich dich mir zum allein-empfang- 
Bald mochi ich dass die tueli mein glucK auch glaube. 

Ofr schuuelg ich voll in deinem angesichi 
Und dann verhungr ich rein um einen blicK. 
Und andre lusi besiiz und such ich nichi 
/11s mich aus dir heissi nehmen das geschicK. 

So bin ich Tdglich irunKen und verdorn- 
/In allem schlemmend oder alles fort. 



81 



LXXY7I 

Was isi mein vers an neuer prachi so leer- 
Won wechsel fern und schneller dnderung? 
Was schiel ich mix der zeh nichi auch umher 
Nach neuer an und seliner Fertigung. 

Was ich nur sieis das gleiche schreib- das eine> 
Erfindung hall im ublichen geiuand? 
Dass fast aus jedem uuorr mein name scheme- 
Die herKunfi zeigend und uoie es entsiand? 

O susses lieb- ich schreibe sieis von dir 
Und du und liebe- ihr seid noch mein plan . . 
Mein besies: alies won in neuer zier: 
Dies TU ich immen 'ISTS auch schon geian. 

So tuie die sonne idglich alt und neu 
Sagi meine liebe schon gesagxes Treu. 



82 



LXXUII 

Dein spiegel zeigi dir: so zerreisst dein schmucK- 
Dein zeiger: deine Kosibarn siunden fliehn. 
Dies leere buch fur deines geistes drucK - 
/lus seinen bldnern magsT du lehre ziehn: 

Die runzein die dein spiegel ireu ertueisi 
Sie mahnen dich an grdber gdhnend weii- 
Und durch des zeigers schanig schleichen lueissx 
Du diebischen lauf der zeii zur eiuigKeii. 

Was du nichT FesihalisT hinier deiner siirn 

Gib diesen leeren bldnern: und einsi siehsi 

Du diese Kinder gross aus deinem him 

Mix denen neu dein geist beKonnTschafr schliessT. 

Zu diesem uuerK mach hd'ufig den versuch: 
Dir bringt es nuiz und reichTum deinem buch. 



83 



LXXWIII 

Ofr flehi ich dich als meine muse an 
Und Fand so schSne hilfe Fur mein lied 
Dass mir manch andrer Kiel es nachgeian: 
Sein dichien unier deinen schuiz beschied. 

Dein auge uuies den dumpFen hoch zu singen 
Und schtuere unxenninis hinaufzufliehn- 
Hat Federn zugefugT des uueisen schuuingeni 
Der anmuT zuuiefach herrlichKeit verliehn. 

Doch meist sei STO!Z auf Mein gereimtes spiel; 
Es hdngi von dir ab- IST gezeugT von dir. 
In andrer tuerKen FeilsT du bloss den siil- 
UerzieresT KunsT mh deiner sussen zier: 

f\\\ Meine KunsT bisT du und irdgsi souueit 
Wie Kenntnis meine rohe unweishek. 




84 



LXXIX 

/11s ich allein urn deine hilfe rief 
War meiner schrifi allein dein edler sTrich. 
Nun siehen meine arcigen zeilen schief 
Und meine KranKe muse andren wich. 

Ich uueissi suss Lieb- dein lieblicher gehali 
Uerdieni das wenc von wurdigerem reim^ 
Doch toas von dir aus deinem dicrrcer schallT 
Das raubT er dir und zahk dir wieder heim. 

Er leihi dir Tugend und er siahl dies wore 
Won deiner hakung . . der die schonheit bringi 
Fand sie auf deiner uuange . . er gibi fore 
/In dich Kein andres lob als dir entspringi. 

Drum danKe ihm Fur das nichi was er schreibx: 
Du zahlsT ja selbsi was er dir schuldig bleibi. 



85 



LXXX 

Wie fehli mirs wenn ich von Dir schreib an Krafi! 
Ich uueiss dem bessern geisie diem dein nam 
Zu dessen preis m\i aller machT er schaffi - 
Da er dich riihmT machT er mich zungenlahm. 

f\n uuerce gleichT dein wen dem ozean 
Der schuuache so wie siolze segel fuhm 
fluf dem mein dreisier und viel mindrer Kahn 
Sich gern in deinen breken uuellen ruhrc. 



Mich hahsT du mix der schuuachsien hilfe flon- 
ER ziehT auf deiner unermessnen NUT . . 
Und Treib ich als ein booT zerschelk zum 
IST ER von hohem bau und wacKrem muT. 



Dies isT wenn ers erreichT und ich verdarb 
Das schlimmsTe: dass ich durch mein lieben sTarb. 



86 



LXXXI 

Ob ich einsT deine grabschrifr machen luerde- 
Ob du fonlebsT- lieg ich in siaub zerfressen: 
Kein Tod raubi deinen namen von der erde^ 
IST auch von mir ein jeder ieil vergessen. 

Nenn dann dein nam unsTerblich lebi: so hab 
Ichi einmal TOT- niemand der mein gedenKT. 
Mir gibt die erde nur ein alliagsgrab- 
Du lebsi in aller menschen blicK gesenia. 

Du hasi als denKmal dann mein zari gedichi 
Das heuT noch unerschaffne augen lesen. 
In spdiren zungen dann dein uuesen sprichi 
Nenn alle haucher dieser zeh veriuesen. 

Dann lebsi du noch - mein wirKen isi der grund - 
No hauch am meisien haucht: in menschenmund. 



87 




LXXXII 

Du bisi miT meiner muse nichi vermahlii 
Drum magsT du schauen ohne widerspruch 
Der uuidmung worte die so mancher uufihh 
Fiirs schone vorbild- segen jedem buch. 

Du bisi so schon in uueisheii tuie in form 
Und halisi fur deinen were mein won gering. 
Deshalb bisi du geztuungen neue norm 
Zu suchen in der zeii die vonuaris ging. 

Ja TU dasi Lieb. Doch zeigien sie auch offen 
Welch muhsam werK dem redeprunK gelingi: 
So HOT dich uuahrhah: schonen tuahr geiroffen 
Mix schlichiem won dein freund der tuahres bringT. 

Mil ihrem groben farben sei verhehk 
BluTlose wange: bei dir isis verfehk. 




88 



LXXXIII 

Ich sah noch me- euch ware farbung noi 
Und darum fdrbi ich eure schonheii nichT. 
Ich fand - mir schien- Ich fand - sie uberboi 
Den durfrigen anxrag einer dichier-pflichi. 

Drum schlief ich und hab nichis von euch gesagi 

DamiT ihr der ihr daseid selber zeigi 

Nie eine alliagsFeder zuviel uoagi- 

SprichT sie mil tuerr vom tuerT der aus euch sieigi. 

Dies schuueigen Kam euch vor als boser uuille . . 
Doch mir zum grossten ruhme blieb ich siumm. 
Ich schadete der schonheii nichi durch siille 
Sie die beleben tuollTen brachien um. 

Mehr leben gibi eins eurer schonen augen 
/lls eurer beiden dichier hymnen Taugen. 



89 




LXXXIU 

Wer sprichT am meisTen und was sprichi so gui 
/lls dieses reiche lob: ihr nur seid ihr? 
In tuessen mauern liegT der schatz in HUT- 
Ein gegensTiJCK zu euresgleichen hier? 

/IrmseligKeii in jener feder wohnT 

Die ihrem sioff nichT eTwas glanz verleihe. 

Doch wer von euch schreibt- uuenn er nur beioni- 

Ihr ujdret inn gibi seinem wore die weihe. 

Er schreibe einfach ab was in euch siehi- 
Uerschlechire nichT was Klar naiur erschuf - 
Und solch ein ebenbild ruhmt ihn beredi- 
Bringt seinen siil an jedem on in ruf. 

Ihr Fugi zu eurem holden segen Much- 
Liebt was eur lob verringerr: lobes spruch. 



90 



LXXXW 

Mir schtueigi die Muse- machT nichT luesens viel 

Da deines lobs berichie reich veneilT 

Ihr uoesen fesiigen miT goldnem Kiel 

Und sdTzeschmucK von alien Neun gefeik. 

Ich sinne gui und andre schreiben gin. 
Wie messner aus dem VO!K ruf ich nur amen 
Zu jedem preislied das ein Fdhiger TUT 
MiT LuohlverfeinTer schrifr in glanen rahmen. 

Hor ich dein lob- so sag ich >ja 's !ST wahr< 
Und seTz aufs meisTe lob noch eTioas mehr . . 
Doch nur im sinn - dess liebe zu euch ztoar 
fln uuorr zulezT KommT- doch an rang weft ehr. 



Gib andren fur ihr schallend won 

Mir Fur mein dumpf gesinn draus tuahrhek sprichT. 



91 




LXXXUI 

Cai dies sein prdchmg segelnd grosses lied- 
Das auszog urn eur allzuKOsibar lob - 
Dass reifer plan in meinem him verschied- 
Zu grufr der grund ward draus er sich erhob? 

War es sein geisi der geisies lehr genoss 
Nek uber menschenhoh- was mich zerhieb?.. 
Nichi er vermochi es noch sein ndchiiger Trossi 
Sein helfen dass mein lied verschuchTen blieb. 

Dass Er nichi noch sein hduslich guiiger geisT 
Der ndchiens ihn mk eingebungen narrr 
Sich als mein sieger der mich siumm macrm preisi! 
Ich war von derart angsTen nichi ersiarrt. 

Doch euer ansehn fulrce seine reihn: 

Da ging ich leer aus - meine wurden Klein. 



92 



LXXXUII 

Lebwohl! zu leuer !ST dein besiiz fur mich 
Und du uueissT uuohl wie schioer du bisi zu Kaufen . . 
Der Freibrief deines wens enibindei dich . . 
Mein rechi auf dich isi vollig abgelaufen. 

Nie hab ich dich- tuenn nicht durch dein getodhren? 
Uerdien ich was von deinen schaizen alien? 
/lus mir isi nichi dein schenKen zu endaren . . 
So isT mein gnadenlehn anheimgefallen. 

Du gabsT dich darnels^ deinen wen nichi sehend - 
Uielleichi auch dem du gabsi- mich- anders nehmend . , 
Dein gross geschenK- aus irrrum nur enisiehendi 
Kehn heimtoarTs bessrem uneil sich bequemend. 

So han ich dich wie iraume die beschleichen - 
Im schlaf ein fursi- doch wachend nichis dergleichen. 



93 




LXXXUIII 

HOST du einsi mich gering zu achien IUST- 
Und sTellesT mein verdiensT vors aug des neids: 
Kdmpf ich fur dich zum eigenen verlusT- 
Nenn ich dich gin iroTz deines falschen eids. 

Ich lege selbsi die eigne schiudche offen 
Zu deinem nuizen - selbsi am besien wissend 
Was an verborgnen Fehlern mich beiroffen . . 
Und vielen glanz eruuirbsi du mich vermissend. 

Und ich bin ein getoinner noch dazu. 
Hit alien sinnen neig ich ja zu dir.. 
Und gibt die unbill die ich selbsT mir TU 
Dir vorreil: gibi sie doppel-voneil mir. 

So isi mein lieben. so bin ich dein KnechT 
Dass ich jed Falsch enrage fur dein rechi. 






94 



LXXXIX 

Sag du verliessesT mich um einen Fehh 
Und ich enischuldige dich Fur dlesen schlag. 
Sag ich sei lahm> so hinK ich auf befehl 
Da ich mk deinem grund nichi rechien mag. 

Din Liebi versiSssesi mich nichi halb so schlimm 
Um dem erwiinschien wechsel form zu leihn 
/11s ich mich selbsT versiosse . . du besTimm! 
So TOT ich freundschafr- schau als fremder drein . . 

i 

Bin Fern von deinen uuegen . . nie mehr sei 
Dein siiss geliebier nam auf meinem mund 
Dass ich Unheiliger ihn nichi entiueih . . 
Und euua Kunde unsren alien bund. 

Dich schuTzend STOSS ich nach der eignen brusi- 
Ich darf nicht lieben den du hassen musst. 



95 



xc 



Nun hass mich uuenn du toillsi! tuenn je so jezi: 
Jezi tuo die uuek mein uuerK durchquen mix IUST. 
ErdrucK mich- hilf dem schicKsal das mich hezi 
Und Komm mir nichT mk einem nachverlust. 

/kh> uuenn mein herz enironnen seinen sorgen 
Fall in den rucKen nichi besiegiem leid! 
Gib nicht zur tuind-nachx einen regen-morgen- 
Uerzogre nichi verdammenden bescheid. 

WillsT du mich lessen- lass mich nichT am schluss 
Wenn schon manch Kleines leid sein uuerK vollbrachT. 
Komm beim beginn uuo ich gleich KOSTen muss 
Das allerschlimmsTe von des schicKsals machT. 

Und manch ein wen- scheinT es auch jezT als eins- 
Gemessen am verlusT von dir- JST Keins. 



96 



XCI 



Der pochi auf Kunsi- der auf vermogenssiand- 
Der auf des Korpers Kraft- der auf geblCm 
Der auf ein schlechT-neumodisches gewand 
Und der auf hund und habichi und gesTUT. 

Jed tuesen hai sein zugeteilT vergnugen 
Darin es freude sucht mehr als im resie . . 
Ich aber frage nichis nach einzelziigem 
Ich: besser als sie all durchs Eine Besie. 

Besser als blui IST delne liebe min 
Reicher als guii siolzer als Kostlich Kleid^ 
IST mehr als hund und habichT meine zien 
Und bisT du mein prang ich zu aller neid . . 

Elend nur darin dass du nehmen magsi 
A\\ dies - und mich ins grossie elend jagsx. 



97 



XCII 

Doch TU dein schlimmsies nur: siiehl dich hinaus! 
Fur lebens MST bisT du gesichen mein. 
MiT deiner liebe gehT mein leben aus: 
Es 1st gebunden an die liebe dein. 

Wie han ich also Furchi vorm schlimmsien uueh 
Wenn durch ein Kleinsies schon mein leben Folk? 
Ein bessres los !ST was ich vor mir seh 
/11s dies das sich an deine laune hdli. 

NichT Krd'nKen Kannsi du mich mil unbestand 
Wenn durch dein uueggehn schon mein leben floh! 
O was ich fur ein frohes anrechi Fand: 
Froh dich zu lieben und zu sierben froh! 

Doch gibis ein selig-schon dem nichts gebrichi? 
Du magsT mir Falsch sein und ich weiss es nichi. 



98 



XCIII 

So werd ich leben meinend- du tudrsT ireu- 
Wie ein geiciuschier gone . . dem gesichi 
Der Liebe will ich iraun- schaui es auch neu . . 
Dein aug isi bei mir und dein herz isis nichi. 

Denn leben Kann Kein hass in deinem blicK- 
Neshalb ich deinen uoechsel nie erfahr.. 
In mancher augen siehi des lugs chroniK 
In blinzeln zucKen rollen sonderbar. 

Jedoch der himmel der dich schuf hoc SICT 
Dein anTliiz susser liebe sitz getueihi. 
Was auch dein sinn was auch dein herz begehi: 
Dein auge sage nichis als siissigKeit. 

Dein reiz uuird wie der apfel Evas seim 
Gleichi deine susse Tugend nichi dem schein. 



99 



XCIV7 

Ner machi zu schaden hen und schrariKT sie ein^ 
Wer das nichi TUT was meisT er TrdgT zur schau- 
Wer andre ruhrend selber !ST toie sTein 
Unruhrbar KO!T und bei versuchung flau: 

Der nimmT mk rechT beskz von himmels gabem 
Und spare der erde schaTz dass er nichT schuoinde- 
Der darf sein guT als herr und eigner haben - 
Die andern sind nur seiner prachi gesinde. 

Des sommers blume !ST dem sommer lieb 
Siei ob auch nur Fur sich frisch oder TOT.. 
Jedoch befdllT die blume schnoder Trieb. 
Wird von dem armsTen gras ihr glanz bedrohT. 

Denn siissesTem !ST herbsTer Fall gemass. 
Lilie die FaulT riechT ubler als gegrds. 



100 



xcw 

Wie suss und lieblich machsT du gar die schmach 
Die toie der tuurm in einer dufiigen rose 
Die schonheii deines bluhenden namens siach! 
Wie suss umhullesi du das sinenlose! 

Ner deinen laglauf und- unzuchiigeriueis 
fluslegend' deinen zeiiverireib bespricht: 
Kann Tadeln nur mit einer an von preis . . 
Dein name segnei tuidrigen berichi. 

Fur solche lasier - o welch ein versiecK 
Die dich sich ausgesuchi zu ihrem haus! 
Der schonherc schleier schtuebT auf jedem NecK 
Und schon Fdlli jeglich ding Furs auge aus. 

Dich mahne leures herz^ solch ein Triumph: 

Die schdrfsTe schneide schlechi gebrauchi uuird sTumpf. 



101 



XCUI 

Der sagi- dein fehl sei jugend' loser sireich- 
Der sagi- dein reiz sei jugend edles spieh 
Und reiz und Fehl liebT man bei arm und reich. 
Du machsi zum reiz den fehl der dich befiel. 

Wie an der fursiin hand in voller zier 

Das armsie Kleinod uuird als wen beirachieT' 

So seizen sich die irriumer an dir 

In tuahrhek um und sind als wahr geachiex. 

Nie manches lamm der uuilde wolf beTroge- 
Konni als ein lamm er seinen blicK verdrehn! 
Wie mancher schauende hintennach dir zoge 
Wenn du die voile stance liessesi sehn! 

Doch TU dies nichT - derarr !ST unser bund: 
Mein da du mein bisi !ST auch dein leumund. 



102 



XCUII 

Gleich einem winter war mir meine Feme 
Won din enizucKen du vom fluchxigen jahr! 
Nie fuhli ich frosi! verdunKek sahn die siernei 
Und uberall dezember ah und bar! 

Doch waren sommers zeiien die enilegnen: 
Der xrachiige herbsT- miT reicher schwellung gross 
Crug von dem sommer her das uppige segnen 
Nie nach des ganen Tod der whwe schoss. 

Doch dieser voile ausbruch deuchte mir 
Hoffnung von waisen- vaierlose fruchi - 
Denn sommer und sein reichium wanen dir 
Und vb'gel werden sTumm bei deiner Fluchi. 

Doch wenn sie singen !ST so iriib der laui 
Dass bleich das laub wird dem vorm winier graui. 



103 



XCUIII 

Won dir war ich emfernT im vorfruhling 
ft\s siolz flpril im bunien schmucKe schrin 
Und geisi der jugend goss in jedes ding - 
Der schwere Saturn lief und lachie mil. 

Doch gab mir vogellied und susser hauch 
Won blumen reich an dufr und glanz nichi lust 
Mich zu ergehen nach des sommers brauch- 
Sie zu enipfliJCKen ihrer siolzen brusi. 

Das tueiss der liiie nahm ich nichT in achi 
Noch lobte ich der rose liefes roi . . 
Sie uuaren suss- doch abglanz nur der prachi: 
Nach dir gezeichnei der das vorbild box. 

Doch winier schien es- denn du Komesx nie: 
Wie deinen schanen so umspiek ich sie. 



104 



XCIX 

Das ubermihige veilchen schah ich drob: 
>|A!O- susser dieb siahlsT du dein suss das hauchi? 
Won meines liebsien aTem!.. Purpurn lob 
fluf deiner uuange? Du HOST eingeiauchi 
In meines liebsien adern allzugrobx 

Die lilie KlagT ich an urn deine hand- 
Die mairan-Knospe die dein haar besiahl - 
Und manche rose bang am dome siand 
DIE roie scharrn und JENE tueisse qual. 

Nichi tueiss noch roi die drine- sTahl von zuuein 
Die deinen hauch zu nehmen sich vermass- 
Doch fur den diebsiahl Troiz dem sTolzen schein 
Ein rachevoller uuurm zu Tod sie frass. 

Mehr blumen iraf ich an- doch Keine Kam 
Die dufi und farbe nichi von dir eninahm. 



105 



No bisi du Muse? Du vergissT zu long 
Zu Kunden was dir schema all deinen geisi. 
WarfsT du dein Feuer tueg Fur eiilen sang. 
Schuudchsi deine Kraft die niedre sioffe preisi? 

Kehr urn- nachldssige Muse- Full erneuT 
Mil edlem ion so schlechx verwandie zeii- 
Sing fur das ohr das deines lieds sich FreuT 
Und deinem stifr KUHST und gehali verleihi. 

/luf! Muse- Komm! Des liebsten suss gesichi 
Schau an: grub ZeiT dorT eine furche schon? 
Und uuenn - schreib auf verfall ein spongedichT' 
Mach dass vom raub der zeiT man sprichi mil hohn. 

Gib ruhm ihm schnelleren gangs als Zeii versehrti 
SchuTz ihn vor ihrer sens' und Krummem schtuen. 



106 



Cl 



O xrdge Muse tuie machsT du das QUT 
Dass du solang nichi Nahr mil Schonem malsi? 
Denn Wahr und Schon in meiner liebe ruhi 
So tuie in dir: dies isTs wodurch du sirahlsi. 

Gib cmTiuorT' Muse! Sagsi du nichi vielleichi: 
>lAlahres brauchi Keinen glanz - voll eignem glanz . 
Schones nichi pinsel der aufs Wahre sireichi.. 
Besies isi Bestes - ohne mischung ganz?< 

Neil er nichi preis bedarf drum brichsT du ab? 
Enischulde so dein schweigen nichi: du uueissi 
Nodurch er lebi mehr als durch goldnes grab 
Und was ihn in den Kunftigen zeiien preisT. 

Soi Musei TU dein ami! Dich lehr ich ihn 
Spai noch so zeigen wie er heuT erschien. 



107 



Cll 



STQI-K IST mein lieben - schtoach nur in erscheinung, 
NichT minder lieb ich tuenn sichs minder zeigi. 
Die lieb isi Kaufgui deren reiche meinung 
BesTdndig aus des eigners munde steigi. 

Damals war lenz und unsre liebe griin- 
Da griissT ich laglich sie mil meinem sang. 
So schlagi die nachiigall in sommers bliihn 
Und schuueigi den Ton in reifrer Tage gang. 

NichT dass der sommer minder schb'n nun sei 
Da nichT ihr Klaglied mehr brichT durch die nachT: 
Doch beugT den busch die wilde melodei- 
Und susses IOSST durch brauch die holde prachT. 

Darum- gleich ihr. versTumme ich so long 
Dass du nichT mude uuirsT durch meinen sang. 



108 



cm 



Nas meine muse- achi so arm beschen 
Bei solchem sToff zum zeigen ihrer prachi! 
Der blosse gegensiand hai grossren wen 
f\\s den mein zugefugies lob ihm machi. 

O schekei nicht Fur die so Karge schrifi! 

In eurem spiegel sehi euer anliiz nach 

Das meine dumpfen fabeln ubermffr.. 

Es machT mein reimen man und bringi mir schmach. 

Uerbessern-suchen - ware dies nichi schuld? 
Criibmachen die gesiali die schon zuvor? 
Nur deine gaben Ktind ich deine huld: 
Mein vers sTrebT nichT zu einem andren Tor. 

Mehr viel mehr als in meinen versen siehiT 
Sagi euer spiegel tuenn ihr darein seht. 



109 



CIU 



Fur mich- mein schoner freund- seid ihr nie alt: 
Denn ganz wie ersT ich sah in eur gesichf 
Scheint eure schonheit noch . . . Drei winter Kalt 
Jagien vom tualde dreier sommer licht. 

Drei lenze schon- in gelben herbsi gewandti 
Sah ich im lauf der zeiten und das bluhn 
Des mai dreimal von juni-gluT verbrannx 
Seii erst ich frisch euch sah- euch jezt noch grun. 

/Ich i schonheit schleichT doch uuie ein zeiger gehT 
UnmerKlich voruucirts auf dem blait der uhr! 
HOT nichi eur susser reiz der^ scheint mir^ stehT 
Bewegung und mein auge Tduschi sich nur! 

Hor. ungeborne Zek da solches drohi: 

Eh du da worst- war lenz der schonheit tot. 




110 



cu 



Nenni meine liebe nichT abgonerei 
Drin den geliebien ihr als goxzen sehx - 
Sagi nichi- mein sang und lob sei einerlei: 
Emem- an einen- immernoch und siei. 

GUT isT heui meine Hebe- morgen gut- 
Besiandig sieis in wunderbarem grad - 
Neshalb mein vers auf siandigKerc beruhi 
ElN ding nur sagi- nichT suchT nach andrem pfad. 

>5chon guT und Treu< dies isT mein ganzer plan . 
>5chon guT und Treu< mk neuer uuorTe spiel . . 
Mein dichTen drehT sich nur in dieser bahn. 
Drei ding in einem: wunderbares ziel! 

Schon guT und Treu: sie lebTen ofr allein 
Doch seken an demselben plaTz zu drein. 



111 



GUI 



Nenn ich in der zerronnenen zeiien buch 
Gezeichnei seh der schonsTen leuie bild - 
Machi dorr die schonherc schonen alien spruch 
Zum preis von damen TOT und rinern mild: 

So seh ich LUO sich siisse schonheii schmiJCKi 
Mil besTem- fuss und hand und aug und mund 
Ihr aher griffel uuiinschie ausgedrucia 
Das schone grad uuie ihrs beherrschi zur sTund. 

So war ihr ganzer preis nur prophezein 
fluf unsre zerc: sie bildeien euch vor- 
Siei schauend mil der ahnung aug allein- 
NichT ganz geschicKT Fur cures ruhmes chor. 



Wir habeni lebend in dem heuiigen 

/luge zum schauen doch nichi won zum preis. 



112 



CUII 

Nichi eigne angsi noch der propheiische geisx 
Der lueiien well der Kunfiige dinge ahni 
fluf meiner ireuen liebe ablauf uoeisx 
Und an verfall zu Fesxer frisi gemahnT. 

Der menschen mond sirahlte nach Finsternis 
Und Triibe magier sponen eignen spruchs. 
Das reich der schiuanKungen uoard nun gewiss- 
Friede ruft palmen aus von ewigem tuuchs. 

Jezi in dem irdufeln so balsamischer zeit 
BlicKT meine liebe frisch und Cod gibi nach 
Da iroTz ihm mein arm lied mir dauer leihi . . 
Er schlage menschen dumpf und ohne sprach! 

Und dir wird hierin ein geddchinismal 

Wenn herrscher-reif verfiel und grufi von stahl. 



113 



cum 

Was ist im him das lime Kann verleihn 
Das ich dir nichi enTiuarf mk ireuem sinne? 
Was gibi es neu zu reden- neu zu reihn 
Zu deinem Teuren wem zu meiner minne? 



susser Knabe . . doch tuie GOIT anflehend 
Muss ich dasselbe sagen allezek: 
Du meim ich dein - nichTs ak im alien sehend 
Sek ich dir holdem namen ersi getueihT. 

Die etuige lieb im frischen liebesschmucic 
BeachxeT nichi der jahre siurm und fall. 
GlaubT nichi an der nouuendigen fallen drucK 
Und hali das alter sTdndig als vasall. 

Fur sie lebi noch der ersten liebe geisi 
Wo zeii und aussre form ihn TOT eriueisT. 



114 



CIX 



O sag nichT dass ich falsch von herzen sei- 
Schien feme auch zu ddmpfen meine glut: 
So leichi machi ich des eignen Ichs mich frei 
flls meiner seele die im herz dir ruhi. 

Don isi mein haus der liebe. Wie der toandrer 
Kehr ich dorrhin zurucK nach tucker sTrecK 
Recht zu der zeii und mix der zeii Kein andrer - 
So bring ich tuasser selbsi Fur meine flecKe. 

Glaub nimmermehr uuenn auch mein uuesen STCCKT 
Uoll schuudchen - sie befallen jeglich bluT - 
Dass es sich so unsinnigeruueis beflecKi 
Und fur ein nichis IOSST sein gesarmes guT. 

Mir giksT allein auf uueiTem erdenball 
Du meine rose- du bisi drin mein all. 



115 



ex 



/Ich es isi uuahr: ich schtueifre hier und don 
Und machie mich zum schecKen fur den schein- 
STach in den eignen sinn- warf wercsies forx 
Und schuf aus neuem lieben ake pein. 

Es IST ganz uuahr: ich bliciae scheel und scheu 
Die tuahrheii an - jedoch bei allem Droben! - 
Dies abseitgehn gab mir die jugend neu: 
Ich sah als besies dich bei schlechiern proben. 

/Ill dies isx hin . . nimm nun was nie verblasst! 
Und nimmermehr sei meine lusi gespizi 
/luf neuere Kosii dem ahem Freund zur last- 
Dem gon in liebe der mich ganz besizt. 

So mmm- du na'chsi dem Herrn mir hochsie IUST* 
Mich an die reine- lieb-liebreiche brust. 



116 



CXI 



O zeigT euch meinethalb aufs GlucK ergrimmT- 
Die schuldige gonheii meiner leidensfahn:- 
Die fur mein leben bessres nichi besTimmx 
/11s voks-eriuerb der nachziehi vokes an. 

Daher empfdngT mein name einen brand- 
Daher luird all mein tuesen fasi bedrdui 
Durch meine arbeii - uuie des fdrbers hand. 
Habi miileid denn und uuunschei mich erneuT. 

Dann schlurf ich wie ein uiilliger xranxer ein 
Den essig-TranK fur meine gifrige sucht 
Und nichis von binrem soil mir biner sein 
Noch doppelsirafe mehrend zuchT mil zuchT. 

Habi mitleid mil min Ceurer! dann beKund ich: 
flllein von eurem miileid schon gesund ich. 



117 



CXII 

MiT lieb und mkleid FullT ihr aus was hohl 
Unglimpf des voks mir in die siirn gepressi. 
Was gili mir ob man iibel sprichi ob uoohl 
lAlenn ihr mein bases decKi- mein guies messi! 

Ihr seid mir all die well- und mir isi pflichi 
Dass lob dass schmach mir Komrm Krafi cures uuinKs. 
Kein andrer gili min ich fur andren nichi 
Der ehernen sinn mir drehe^ rechis noch linKs. 

So Tief zum abgrund uuerf ich alle achi 
/luf flndrer rede jdass mein nanern-ohr 
Sich taub fur schmeichler tuie fur xadler machT. 
Fur meinen gleichmuT bring ich dieses vor: 

Ihr hakei so in meinem sinne Fesi 

Dass TOT mir diinia der ganzen erde rest. 



118 



CXIII 

Sek ich euch liess verbleibx mein aug im geisi 
Und was mein Fiihrer JST von on zu on 
Ceik nunmehr seinen diensi- isi blind zumeisi 
Scheini sehend aber tuirKlich isi es ForT. 

Nie lieferc es dem herzen die gesiali 

Won vogel blume Korper die es fangii 

Der hurtige zug machi fur den geisi nichi halt 

Noch bannT es selbsT die schau die es empfdngT. 

Ob es das rauhsie- zanste sehen magi 
Die sussie stirn- den ungesialisien uuichT: 
Es formi gebirg und see und nachi und xag 
Und Taub' und Krd'h nach eurem angesichi.. 

So dass fur andres schioach- von euch gefulk- 
Mein ireusier geisi mein aug in untreu hiillT. 



119 



CXIW 

Nie isx es? schlurfr mein geist- eur Thron-nachban 
Des herrschers plage ein- die schmeichelei? 
Wie oder sage ich: mein aug spricht uuahr 
Und eure liebe lehrt es zauberei 

Dass es aus scheusal machi und roher brut 
Engel uiie deinem siissen Selbsi sie gieichen- 
/lus jedem bos schaffi ein vollKommen gux 
Sobald die dinge seinen sirahl erreichen? 

O 's isi das erste! Schmeicheln machT mich sehn. 
Mein hoher geist schlurft es ganz fiirsTlich ein. 
Mein aug Kann diese vorlieb luohl verstehn- 
Bereket ihm fiir seinen schmacK den tuein. 

Isi gift darini entschuldigt dies den Trug: 
Mein aug liebi es und TUT den ersien zug. 



120 



cxu 

Die reihen die ich friiher schrieb sind lug- 
fluch dieses: lieben Konrn ich euch nicht Treuer. 
Damals sah ich nichi ein nach tuelchem Fug 
Einst heller brennen sollt mein vollsies feuer. 

Doch denK ich nach uuie Zeii millionenfach 
Einschleichi in schujure- brichT der Konige won- 
Bleichi heilige schonheiii drucKT das harisie flach' 
ZiehT sTarKen geist auf schiuanKe uuege forr: 

/Ich dass ich bang vor der geiuali der Zeii 
Nicht sprechen darf: >nun lieb ich euch zu besT<. 
Wenn ich gesicheri vor unsicherheii 
Das heuie Krone- zuueifle an dem resi! 

Liebe isT Kind: dann sprech ich richtig doch 
Won vollem wuchs uuo uueiires uuachsTum noch! 



121 



CXUI 

Man spreche nichi bei ireuer geisier bund 
Won hindernis! Liebe 1st nichi mehr liebe 
Die eine dndrung sah als dndrungs-grund 
Und mil dem schiebenden tuillfahrig schiebe. 

O nein- sie isi ein immer Fesier lurm 

Der auf die tuener schaui und unberennbar. 

Sie IST ein siern fur jedes schiff im siurm: 

Man missT den siand- doch 'IST sein'uuen unnennbar. 

Lieb' isi nichi narr der zeii: ob rosen-mund 
Und -uuang auch KommT vor jene sichelhand . . 
Lieb' dndert nicht mil Kurzer uuoch und siund- 
Nein- sie hdli aus bis an des grabes rand. 

Isi dies irrium der sich an mir betuies- 

Hai nie ein mensch geliebi- nie schrieb ich dies. 



122 



CXUII 

So KlagT mich an: dass ich fur mich nur nahm 
Nas eurer hohen gunsi ich schuldig wan 
Zu eurer treusien liebe nichi mehr Kam 
/In die jed band mich fesseh immerdan 

Dass ich mk geisiern ging die tuerilos sind- 
Dein schtoer erKauhes rechT preisgab der well- 
Mein segel hissen liess nach jedem wind 
Der mich am fernsien von euch weggeschnellT. 



Schreibi meinen siarrsinn auf und meinen 

MachT - nach beuueis - das maass mil argtuohn voll- 

Bringi mich in cures missgefallens bahn^ 

Doch Treffi mich nichx in eurem uuachen groll. 

Mein einspruch sagT dass ich nur so befand 
Euerer liebe lugend und besiand. 



123 



CXWIII 

Wie man zur scharfung seiner esslusi TUT- 
Mil beissendem gemische reizi die zung- 
Wie vor noch Fernem ubel auf der hux- 
Man KranKheii schaffx durch blutes reinigung: 

So voll von deiner siisse die nie sanmachT 
Stelli ich mein essen her mil binrer briihe 
Und KranK vom wohlsein suchie ich was manmachT 
Fast freudig eh geboien war die muhe. 

Uortueg sich nehmen so aus liebes-lisi 

Ein Kommend wen - zog wahr gebresi herbei . . 

In siechxum Kehn ich urn gesunde frist- 

Zu voll von wohl fand ich im weh arznei. 

Draus zieh ich lehre die das rechie Trifft: 
Wer an dir Krania dem werden minel gifi. 




124 



CXIX 

CranK ich Sirenen-irdnen- mischerei 
/lus Tiegeln scheusslich wie die hoik drin! 
Gab dngsien hoffnung- hoffnung dngsie bei- 
Uerlor da wo ich griff nach dem geuuinn! 

Indes ES selig sich tuie niemals dachie- 
Wie nur mein herz verfiel in sundiges irren! 
Nas so mein aug aus seinem Kreise brachie 
In dieses wahnsinnhafren fiebers uoirren! 

O glucK des ubels! nun seh ich genau: 
Das bessre uuird durch ubel STCTS noch besser. 
Zersione liebe wird beim neuen bau 
Schoner wie erst und Krafriger und grosser. 

So Kehr ich urn- zu meinem gliicK ein ion 
Getuann durch schuld dreifach was ich verier. 



125 



cxx 

Dass ihr einsi unfreund wan erfreuT mich nun- 
Und denK ich der dabei empfundnen qual 
Muss niederbeugen mich mein ubeliun- 
Sind meine nerven nichi von erz und siahl. 

Denn linet ihr von meiner Freundschafr schldgen 
Nie ich von euch- gingt ihr durch hollen-zek- 
Und ich lyrann nahm mir nichi muh zu uudgen 

Was ich einsi I in durch eure sundigxeii. 

O hdne unsre leidensnachi erinneri 
Mein Tiefsi gemui an schlag von tuahrem schmerz . 
Und euren - tuie ihr meinen - bald gelinden 
Mk schlichTem balsam- gut Furs uuunde herz. 

Doch dieses eur vergehn uuird nun zum zoll: 
Es IOST euch wie mich eures losen soil. 



126 





CXXI 



Besser isi schlechi zu sein als schlechT genanm: 
Wenn nichT-besiehn verKlagT tuird zu besTehen 
Und edle IUST verponi - nichi abencanm: 
Durch unser fuhlen- doch durch flndrer sehen. 

Nas sollie flndrer Falschend Tucidsche nfihe 
Die blicKe uuerfen auf mein lebhafr blui? 
Was soil Fur meine schuuflchen schuodchere spflhe 
Der das als bos erscheim was mir als QUT? 



ich bin der ich bin., die losgezogen 
fluf meine Fehler stellen ihre dar. 
Ich mag gerade seim sie selbsT gebogen - 
Nichi leg ihr geiler sinn mein handeln Klar. 

Sie glaubTen denn ans ubel allersek: 

Jeder sei schlechT und herrsch in schlechTigiceiT. 



127 



CXXII 

Das merKbuch- dein gescheriK- irag ich in mir 
Uoll von erinnerung fur alle zeh: 
Die Idnger bleibi als diese nichtige zier 
JenseiT der Tage bis zur etuigKeii. 

Wenn nicht- so lange doch als herz und geist 
Won der naiur erlaubT isT zu bestehn . . 
Bis beides in vergessens schun veriueisi 
Sein STUCK von din wird nie dein bild vergehn. 

Dies aufbeuuahrre ding hdk nichT so sehr- 
Fur deiner liebe wen brauchis Keinen siab 
Sie drin zu Kerben - darum gab ichs her 
DEM buch zu iraun drin ich dich besser hab. 

Mir heifer halien dein gedenK zu sein: 
Das lourfe auf mich des vergessens schein. 



128 



CXXIII 

Nein- Ze\i> sag du nichi siolzi ich dndre michi 
Bau deine Turrrie auf mk frischer machi: 
Sie sind Fur mich nichi neu nichi sonderlichi 
Sie sind nur aufschmucK einer fruhern prachi. 

Nir leben KUTZ nur - uueshalb wir besiaunen 
Nas du uns unierschiebsi das schon geschah. 
Nir denKens eh'r gezeugT fur unsre launen 
Wie als ein ding das man langsi hon und sah. 

Ich TroTZ euch- dir und deinem federzug. 
/lufs heuT aufs gesiern blicKe ich gefassi . . 
Denn dein geruchi und was uuir schaun !ST lug 
Und gross und Klein uuenc deiner sidndigen hast. 

Doch dies soil immer sein - das schtoor jch mir; 
Ich bleibe ireu TroTZ deiner sens' und dir. 



129 





CXXIW 

Wdr meine liebe nur ein Kind der prachi 
So Konnte GliiCK als basiard sie enTvdTerm 
So tuiirfe Zeii die zurni und Zehc die lachi 
Den pflucKern sie als blum> als gras den jdiern. 



Nein sie entsiand Fern von zufdlligKeii. 

Sie leidei nichT durch pomp der gleissT^ noch sinKT 

Worm schlag gedrucKier unzufriedenhek 

lAlozu die zeii jezi unsrer laune tuinia. 

Sie furchTeT Klughek nicht- die Keizerin- 
WirKT nichi mil Kurzbemessnem uberlass. 
Sie nur siehi da mh maasslos idugem sinn- 
WdchsT nichi durch hiTze- uueichi nichi auf durch nass. 

Hier mogi ihr narrn der zeiT mir rede stehn: 
Ihr starbT furs rechT und lebiei furs vergehn. 



130 






cxxu 

UmsonsT nur mige ich den baldachin- 
Mk meinem dussern huldigend dem schein 
Und - was so Kurz uuie fall isi und ruin - 
Legi ich zu ewigem bau den uniersTein. 

Sah ich nichT schuuelgende in Form und hulle 
flrm armer werden durch zu hohen zins? 
Sie TauscFnen schlichie KOST fur siisse fulle 
Opfer der schaulusi- Klaglichen getuinns. 

Nein- dir im herzen will ich beier sein. 
Nimm meine spende arm- doch williglich. 
Sie mischT sich nichT mil ZUTOT Kennt nichi schein 
Nur doppelhingab: einzig mich fur dich. 

l/sleg- falscher Kunder! . . Eine ireue seel- 

Wie sehr bedrangi auch zwingT nichT dein befehl. 



131 



CXXUI 

Du holder Knabe hemmsT mk deiner hand 
Der Zek die sens' und ihren fluchiigen sand. 

Du wuchsesT auf durch schwinden und du zeigst 
Sie die dich lieben wek- indem du sieigsi. 

Naiur die hochste herrin ubers grab - 
Soiuie du voruudns willsT ziehT sie dich ab. 

Sie htilt dich zu dem ZLUCCK dass ihre lisi 
Die Zeii verhohni und plumpe siunden MSST. 

Doch furchie sie- ihr liebling du. ihr gluad 
Sie hdli den schaTz nichi' halt ihn nur zurucK. 

Beim abschluss Kommi er spdT auch- siehT sie tuorr 
Zur vollen zahlung gibi sie dann dich fon. 



132 



CXXUII 

In alier zeii hielt man nichi schtuarz fur fein 
Und wenm so irug es nichi der schonheii nam . . 
Nun sezi sich schtuarz als schonheiiserben ein 
Und schonheii leidet schimpF und basiard-scham. 

Denn da sich Jeder KraFi der schopfung siahl- 
flus Kunsi und borgi aus schlechiem schones schuf: 
Fehli susser schonheii nam und heiliger saal.. 
Sie 1st enTtueihi und lebi gar in verruf. 

Drum- herrin- HOST du haare schuuarz tuie nachi 
Und augen so - und sie sind Traurern gleich 
Da mani nichi schon von arr sich schonheii machi 
Mil falschem prunK beschimpfr das erdenreich. 

Doch da sie irauenr zierr so ihre pein 
Dass jeder ausruFi: schonheii muss so sein! 



133 



CXXUIII 

Wie ofr wenn du- mein Klang- die Kldnge spielsT 
fluf dem beglucKTen holz dess regung ioni 
Uon deiner sussen hand und sanfr befiehlsi 
Der drdhie einhall der mein ohr umdrohni: 

Beneid ich diese Tasien die mk eil 
Das zone innre Kussen deiner hand . . 
Indess mein armer munch reiF Fur solch ieil- 
Erroiend bei des holzes Kuhnhek siand. 

Urn so gesTreifr zu sein nfihm er in KauF 
Canzender schniize formung und beFund 
DarauF dein finger gehi mk sanftem lauF- 
COT holz beseligend sian lebendigen mund. 

Da freches werKzeug so beglucKT sein muss 
Gib ihm den finger- mir den mund zum KUSS. 




134 



CXXIX 

Uerbrauch von geisi in schandlicher verzehr 
Isi lusi in iai> und bis zur iai> isi lusi 
Meineidigi morderischi bluiigi voll unehn 
Wild- lierisch- grausam- roh- des lugs bewussi. 

Genossen wo gleich drauf verachiung Triffr- 
Sinnlos erjagT und gleich nach dem empfang 
Sinnlos gehassi wie ein verschluciaes g\h* 
Eigens geiegi dass Toll tuird tuer es schlang. 

Coll im verFolg und im besiiz zumal- 
Erlangi und im und beim erlangen tuild- 
GliicK beim versuch und tuenn versuchi nur qual- 
Erst: freudig hoffen- nachher: schanenbild. 

Dies weiss jedtueder . . doch nichi uuie man Fliehi 
Den himmel der zu dieser nolle ziehi. 



135 



cxxx 

In Ihrem aug !ST nichts von sonnensTrahl- 
Korall isT roter als ihr lippenpaari 
Wenn schnee tueiss isi so isi ihr busen fahl- 
Sind locKen draht- !ST schuuarzer drahi ihr haar. 

Ich schauie rosen zwiefarbi weiss und roi^ 
Doch solche rosen irdgi nichT ihr gesichi - 
Und ich fand duft der mehr an reizen boi 
fl\s jener hauch der aus dem mund ihr bricrn. 

Ihr reden hor ich gern- doch muss gesxehn: 
MusiK hai einen angenehmern Klang. 
Ich sah noch niemals eine gonin gehn: 
SlE schreiiei auf dem grund bei ihrem gang . . 

Und doch !ST meine liebe mir so reich 
/Us jede die man falschi mk lug-vergleich. 



136 



CXXXI 

Nie schonheii siolz tuird und dorm qutili zum scherz 
So gehT dirs und so harr isi dein befehl . . 
Denn du tueissT uuohl: fur mein zart liebend herz 
Bisi du das schonste Kosilichsie jutoel. 

Doch tuahrlich- manche sagen die dich schaun: 
Dein blicK tuina nichi so siarK dass liebe Klagi. 
Dies irnum heissen will ich nichi geiraun 
Obuuohl ichs unier eid mir selbsi gesagi. 

Und sicherlich: ich schwor nichi falschen eid- 
/In Tausend seufzen denK ich auch nur deim 
Hintereinander geben den bescheid: 
Dein schwarz muss schonsies fur mein uneil sein. 

Du bisT in sonsT nichts schwarz: nur durch die TOT - 
Noher din glaub ich> diese idsirung nahi. 



137 



CXXXII 

Ich liebe deine augen. Uoll nrmleid- 

Da mil verachTung mich zerqudh; dein herz: 

/11s liebe irauernde in schuuarzem Kleid 

Sehn sie- sich lind erbarmend- meinen schmerz. 



Und tuahrlich zieren mil dem morgenroie 
Sich schoner nicht des osiens graue tuangen 
Noch schmiicKT der voile sTern des abends boie- 
Den Kahlen tuesien mil dem halben prangen 

Wie die zuuei trauer-augen dein gesichT. 
O sei dein herz nun auch fur mich bereii 
Zu irauern - irauer ja enTSTellt dich nichT - 
UmKleide so dein miileid allersek. 



Dann schuuor ich gern: schonhek sei schuoarz sogar 
Und alle schlechx die deiner farbe bar. 






138 



CXXXIII 

Neh ubers herz durch das mein herz so Klagx! 
Es schaffT mir und dem Freund so tiefe pein. 
IST nichi genug dass es allein mich plagi? 
Muss sussTer freund ein Knechi dem Knechnum sein? 

Dein grausam aug hai mich mir selbsi entrissen- 
Und mehr HOST du mein ndchstes Selbsi beschtuerc - 
Ich muss mich selbsi und ihn und dich vermissen . . 
O drillings-qual uuenn dreifach so versehn! 

Sperr ein mein herz in deiner sTahlbrusT schachTi 
Lass so mein arm herz das des freunds befrein. 
Wer mich auch hali: mein herz sei seines wachi . . 
In meiner hafi KannsT du nichi sireng dann sein. 

Und doch - du wirsT es: denn ich hdng an dir. 
Dein muss ich sein mil allem was in mir. 



139 



CXXXIU 

So hab ich zugesTanden: er isi dein 
Und ich bin selber deines tuillens pfand. 
Ich will vertuina sein . . doch dies andre Mein 
Gib mir dafiir zum irosi in meine hand. 

Doch uuirst dus nichT und er will freiheii nichT. 
Denn du bisi geizig und er gern bereft. 
Er unierschrieb hier nur fur mich aus pflichi 
Zu der fest bindenden verbindlichKeii. 

/In deiner schonheii burgschart haksi du dich" 
Habgierige- die nie ihr hab lasst ruhn - 
BelangsT den freund der schuldner ward durch mich, 
Ich verlier ihn durch mein unschones Tun. 

Uerloren isi er mir: du hasi uns zwei. 

Er zahlx das ganze- doch ich bin nichT frei. 



140 



cxxxu 

Manche hen ihren wunsch - du deinen Nill 
Und Nill dazu und Will noch obendrein. 
Ich uberflussig TU dir die unbill 
Bei deinem sussen tuilkn auch zu sein. 

Lassi du nichT- mk dem willen were und gross. 
Einmal in deinem meinen tuillen ruhn? 
MagsT du genehmigen andrer uuillen bloss 
Und meinem uuillen nichi die ehr anTun? 

Die see ganz tuasser irdgi den regen siill 
Und hdlii schon volh den zufluss noch fur wen. 
So- Willen-reiche' fug zu deinem Will 
Meinen der deinen grossen Will noch mehn! 

Die freundlich binenden vertueis nichi schrilh 
Nimm all fur eins und mich im einen Will! 



141 



CXXXWI 

Schilt deine seele dich: ich Kdm zu nan- 
So schtuor der blinden seel- ich sei dein Nilie 
Und tuille- tueiss sie 1st mix rechten da. 
SoLueii- mein lieb- mein liebessehnen sxille! 



ujill vollFullen deiner Hebe schaiz. 
So fiill ihn voll miT Nills und sei ich einer. 
Bei dingen grossen umfangs gill der SQTZ: 
In einer zahl siehi einer aus uuie xeiner. 

Bei deiner guierzahlung lass mich fern- 
Doch unier deinen schaizen dulde mich. 
Sieh fur ein nichis mich am siehsi du nur gern 
Dies nichis als euuas susses an fur dich. 

Lieb meinen namen nun dann bin ich still! 
Du liebsT dann mich: mein name isi ja Nill. 



142 



CXXXUII 

Du Liebe- blinder narr- was schldgsi du so 
Mein aug das schaui und siehi nichi was es siehT 
Das weiss uuie schonheii JST und siehi auch uuo 
Und doch das beste aus dem schlimmsien ziehi? 

Wenn auge schlaff durch zu paneiische schau 
/Inlegi am sirand zu dem sich jeder drflngi 
Was HOST du dann aus auges irug das tau 
GeKntiph dran meines herzens uneil hflngT? 

Soil denn mein herz ansehn fur eigenflur 
Was es erKanni als aller well anieil? 
Soil denn mein aug dies sehn und leugnen nur 
Und holde uuahrheiT streun aufs haupT so feil? 

Im uuahrsien fiel mein herz und aug in trug - 
Weshalb die falsche seuche sie nun schlug. 



143 



CXXXUIII 

Wenn meine liebe schwori sie sei ganz uiahr 
So glaub ich ihr- erKenn ich auch den lug. 
Sie denKe mich als Knaben uuissens bar 
Und unbeKanni mk lebens feinem irug. 

So glaub ich eiilerweisi sie glaubT mich jung^ 
Neiss sie auch meine beste zeii enTriicia. 
So irau ich ihrer lugen-redigen zung . . 
Zweiseiiig tuird was einfach uuahr erdrucia. 

Doch was gesieht sie nichi ihr unrechi ein? 
Und was gesTeh ich nichi wie all ich war? 
O besTe liebesan isi: iraun dem schein . . 
Und liebend alier hon nichi gern sein jahr. 

Drum lug ich mil ihr und sie lugt mh: mir 
Und voller schuld durch lug^sind glucKlich wir. 



144 



CXXXIX 

Heiss mich nichi suchen nach der KrdnKung grund 
Die durch dein harres herz schiuer auf mir !ST. 
Criff mich nichi mil dem aug- nur mrc dem mundi 
Ob machT mk machT- erschlag mich nicht durch lisi. 



Sag- du liebsT andre - doch fur meine 
Lieb herz- TU Keine sekenblicKe mehr. 
Was sehresi du mk rdnKen: dein gewichT 
IST mehr als starK fur meine schtuache uoehr. 

Lass dich freisprechen- Lieb- ach du tueissi gux: 
flus deinen holden blicKen KommT mir Krieg . . 
Drum ujandTesT du von mir der feinde IUUT 
Damk ein andrer ihrem schuss erlieg. 

Doch TU das nicht! Denn ich bin schon halb IOT. 
Mix blicKen morde schnell: los meine not! 



145 



CXL 

Sei tueise wie du grausam bist! NichT irin 
Mein schuueigsam dulden zu Tief in den KOT 
Dass nichT der gram mir worr leihi- das venrin 
Das uuesen meiner miTleidwurdigen noi. 

Darf ich dich weisheii lehren- hb'r den rai: 
Behaupi es- Hebe- liebsi du mich auch nichi! 
Wie murrischem KranKen- uuenn der Tod sich nahi 
Der arzT von nichis als von gesundhek sprichi. 

SonsT tuerd ich vielleichT aus verzuueiflung Toll- 
Bring gegen dich im Tolltuahn boses vor. 
Heui 'IST schlimm-glaubige well so ubels voll 
Und Toiler Iflsierer findei tolles ohr. 

Dass dies nichT KommT man dich nichT schmdlT so lek 
Dein aug zu mir- schuueifT dein wild herz auch uuek. 



146 



CXLI 

Ich liebe dich nicht mil den augen- xraun! 
Da sie in dir die xausend fehler spdhn. 
Nas mix befriedigung lieb hdli troiz dem schaun 
Es isT mein herz das liebi was sie verschmdhn. 

Mein ohr hdngT nichi an deiner siimme sange . . 
Kein fuhlen- lasten - zarr noch gar gemein - 
Kein schmecKen und Kein riechen das verlange 
Nach einem sinnen-mahl mix dir allein. 

Nichi meiner sinne und umze funfzahl Kann 
ElN ndrrisch herz von seiner fron befrein 
Das halilos IOSST den schein von einem mann: 
Fur dein siolz herz ein SK!OV und wichT zu sein . . 

Nur dass ich sotueii meine pein begriisse 
Dass sie die mich zur sunde bringt mich busse. 



147 



CXLII 

Mein Fehl isi liebe deine Tugend hass- 
Mass meines fehls erbauT auf frevler liebe. 
O miss an deinem meinen unverlass: 
Und du siehsT nichis was vorzuwerfen bliebe. 

Wenn aber doch so nichi von deinem mund 
Der seinen scharlach-schmucK bedecKT mil scham 
Und ofi- gleich min schloss falschen liebesbund- 
Won andrer bengui sich den zins eninahm. 

Lass mich dich rechilich lieben tuie du sie 
Um die dein auge uuirbT toie meins dich quah:. 
Pflanz miileid in dein herz dass tuenns gedieh 
Dein miileid einsi auf miileid-finden zahlT. 

Nie leichT tuenn du einsT suchsT uoas du verwehrsi 
Dass du durch eigen-beispiel dann enibehrsi! 



148 



CXLIII 

Sieh- uuie ein sorgsam hausuueib renni und fassi 
Nach einem STUCK entlauFnen federviehs - 
Sie sezi ihr Kleines hin in schleuniger hasx 
Eili sie dem ding nach und gern hdne sies. 

Und ihr im siich gelassen Kind folgi ihr 
Und weim und haschT nach ihr die fangen muss 
Mk emsiger muh das vor ihr Fliehende Tier 
Und nichi bedenKi des armen Kinds verdruss. 

So rennsT du hinier dem was fliehi vor din 
Ich bin dein Kleines das weix hinTen blieb. 
Doch FassesT du dein glucK: Kehr um zu mir 
Und spiel die munen KUSS mich und sei lieb. 

So bei ich gem- es tuerde dir dein Will - 
Kehr um nun mach mein lauies weinen still. 



149 



CXLIU 

Zuuei lieben habe ich von xrosi und pein. 
Gleich zuueien geisiern lenKen sie mich ganz: 
Der bessere engel IST ein mann hell Fein- 
Der schlimmere geisi ein weib von diisTrem glanz. 

Zur nolle will mich ziehn das tueiblich bose> 
Kirn mir den bessern engel von der seit^ 
Wunschi zum verderb^ mein Heiliger sei der Bose^ 
LOCKT schnoder gierde seine lauTenceh;. 

Und dass mein engel sich verKehrx zum Feind 
Uermui ich tuohl- doch toeiss ich nichT genau. 
Da beide Fern von min sich beide Freund 
Deuchi mir der engel in des andren idau. 

Nur ztueifl ich immer noch bis ich erKannT 
Dass boser geisi den guien ausgebrannt. 



150 



CXLU 

Die lippe die der liebe hand 
Erschuf hauchT aus das won >ich hass< 
Zu mir der sich vor sehnsuchi wand. 
Sie aber sah mich Kldglich blass 

Und miileid flugs ins herz ihr brach. 
Das schali die zunge die nur suss 
Won jeher mildes urteil sprach 
Und hiess sie: >so wie friiher griiss!< 

>lch hasse< daran Fugi sie an 
Was folgie wie der holde lag 
Der nachi folgi die wie ein satan 
Nach himmeln in der nolle lag. 

>lch hass< und machT durch hass den sTrich 
Und heili mich durch das wore: >nichT dich<. 



151 



CXLUI 

firm seel! du mine meiner sundigen erde- 
Erde voll f revel -Km hen die dich hullen: 
Was TrdgsT du noi und leidesi drin beschuuerde 
Urn deine aussentuand reich-bum zu fullen? 

Nas uuendesi du bei also Kurzer pachi 
So grosse summe auf dein fallend haus? 
Wird einsi der uuurm- der erbe solcher pracrn- 
Die last auffressen- gehT dein leib so aus? 

Dann seele- leb auf deines Knechis verlusT 
Und lass die muh^ mach deine hab nichT schiuer. 
Kauf goner-frisi fur siunden voller dusx 
Speis innen dich und aussen gldnz nichi mehr! 

So speis am Cod der speisi an jedermann . . 
Und Cod ersi TOT: Kein sTerben gibT es dann. 




152 



CXLUII 

Ich lebe wie ein Fiebernder der meisT 
Das wiinschT was seine KrariKheii unierhdli' 
Der was das ubel weiierfuhrr verspeisi 
Und seiner maiien KranKen lusi gefdllT. 

Uernunfi- die drztin meiner Hebe- war 
Dem bos der sich nichT an die vorschrifr 
Werliess mich und mir Tollem wird nun Klar: 
Die gier isi iod die arzenein verwehrc. 

Mich heili nichTs mehn Uernunh: hilfi ja nichi mehr 
Mir wthig-Toll mil immer mehr unrasi - 
Mein won und plan gleichT dem des narren sehr: 
flufs gradwohl- fern von wahrhek- hohl gefassi. 

Ich schwor dich schon und hab dich lichi gedachi 
Und du bisi wusi wie nolle schwarz wie nacht. 



153 



CXLWIII 

Wen- hai mir Liebe augen eingesiecKi 
Die nichi mit wahrer schau zusammengehn? 
Wenn nichi- wo hdli sich mein versiand verdecKT 
Der falsch beurteilx was sie richmg sehn? 

IST schon uuorauf mein falsches auge ruhii 
Narum Idssi spruch der welt es nichi so sein? 
IST es nichi schon dann zeigT die liebe gut: 
Liebe sieht nichT so Treu wie jeden nein- 

Nie auch? wie sdh der liebe auge ireu 
Wenn es so schmerzT von wache und von zdhre? 
Kein wunder also wird mein auge scheu! 
Selbsi sonne siehi nichi bis die lufr sich Kldre. 

O liebes-lisi. weinend hdlisi du mich blind- 
Dass mein KlarblicK nichi fell und schnod dich Find! 




154 



CXLIX 

O grausame- sagsT du ich lieb dich nichi- 
Nenn ich mich gegen mich fur dich verschrieb? 
Und denK ich nichi an dich ganz im verzichi 
flufs eigne IcrH ein ujinrich dir zu lieb? 

Ner isi dein hasser der als freund mir gilt? 
Nen schliessi du von dir aus den ich umschleich? 
JCM schielsi du auf mich: bin ich nichi geuuilli 
Zum zorne auf mich selbsi und wehruf gleich? 

Welch ein verdiensi hali ich in mir so wen 
Dass allzusiolz es deinen diensi verschmdhi? 
Wenn all mein besies deinen Fehler ehn 
Und folgi uuohin dein augentuinK mich Iddi? 

Doch- liebe- hasse nur! Die sehend sind 
Die- merK ich nun- liebsi du - und ich bin blind. 



155 



CL 



Won uuelcher Kraft hasi du die mdchTige Kraft 
Dass unvollKommenheiT mein herz regieri- 
Ich tuahres schaun bezeichn als liigenhafi 
Und schtuore dass das lichT den Tag nichi zien? 

Noher nimmsx du Furs schlechxe uuohlgesiali 

Dass noch sogar im abhub deiner TOT 

Soviel getudhr von Kunsi IST und gewali- 

Mein geisi dein schlimm mehr als jed gut bejahi? 

Was isTs das mich dich mehr zu lieben zwingi 
Je mehr ich grund zum hassen hor und blicK'? 
Wenn meine lieb auch flndren abscheu bringi 
Uerabscheu nicht uuie andre mein geschicK! 

Wenn dein unuuert die lieb erregt in mir 
Bin ich mehr were geliebi zu sein von dir. 



156 



CLI 



Lieb' IST zu jung und Kenm geuuissen nichi.. 
Doch heissis- getuissen isi der liebe Kind. 
Drunrh holde irugerini geh nichi vor gerichi 
No man dein suss selbsi mil mir schuldig find'. 

Denn du verrdTsi mich so uuie ich verraie 
Mein edler leil an groben leibes irug. 
In mir die seele sagi zum leib: im siaaie 
Prange die liebe . . . Fleisch bleibi nichi mehr Klug 

Ja> sieigi bei deinem namen auF und zieli 
fluf dich siegpreis.. gezien mk dieser zien 
Freux es sich uoenns dein armes lasnier spiek- 
In deiner sache sTeht und falli bei dir. 

Nenni nichi getuissensleer ihn der lieb hall 
Jene urn deren lieb' er steigT und falli! 



157 



CLII 



Dass ichi dich liebend- falsch schwur isi dir Kund. 
Doch du schiuursT doppeh falsch mir liebe schworend 
Brachsi ersi dein ben-gelubdi dann frischen bund^ 
GelobTesT Frischen hass- erst Frisch erhorend. 

Doch tuie an dir ziueifachen eidbruch rugen! 
Brach ich doch zwanzigi TOTS an Falsch dir vor! 
Ich der nur schwure sprach um dich zu irugen- 
Und ireu und glauben ganz in dich verier. 

Denn ich schwur Tiefen eid von deiner lindhek- 
Won deiner liebe stdie und vertraun. 
Dass du hell seisi schlug ich das aug mix blindheii 
Und hiess es schtuoren wider bessres schaun. 

Ich schwur dich schom um so meineidiger nur 
Dass wider wahrhek ich so schnode schwur. 



158 



CLIII 

/Imor lag neben seinem brand und schlief. 
Dianas maid sah diesen voneil schnell 
Und lauchT sein lieb-enTzundend feuer lief 
In dieser gegend Kalien wiesenquell. 

Der nahm von diesem heiligen liebesbrand 
Lebendige h'lTze- und noch blieb die spur. 
Draus tuard ein lindernd bad- und darin Fand 
Der mensch fur serene KranKheii hochsie Kur. 



meiner liebsien aug nahm neuen glasi 
Der Knabe der mich nichi ersi sengen muss 
Zur probe - mich den damk Kranio als gasx 
Crubselig herKam zum heilsamen guss. 

Ich fand Kein heil . . das bad das fur mich lauge 
IST LUO er neues feuer nahm: Ihr auge. 



159 



CLIY7 

Der Kleine liebesgon schlief auf der Flur 
Und bei ihm lag sein liebenTflammender brand. 
Ein nymphen-heer das sidndige KeusG^heii schiuur 
Kam Trippelnd her., und mil der madchenhand 

Ergriff des bundes schonsTe diese glui 
Wovon viel scharen ireuer herzen warm . . 
So ward der Kommandam der brunstigen uuut 
Im schlaf enTwehn durch einer jungfrau arm. 

Sie loschT ihn in dem Kuhlen quell anbei 
Den durch dies feuer ewige hiize xraf. 
Er ward zum bad und heilsamer arznei 
Fur KranKe . . doch ich meiner herrin SK!OV 

Kam her zur Kun damk erwiesen bliebe: 
Liebe heizi wasser - wasser Kuhh: nichi liebe. 



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